Waldreservat im Jura speichert CO2 und fördert die Artenvielfalt

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    Der Gelbringfalter aus der Familie der Edelfalter gehört in der Schweiz zu den am stärksten gefährdeten Arten. © Lothar Bruemmer

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    Der Alpenbock ist seit 1992 europaweit geschützt. © Naturfotografen

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    Die Wildkatze steht europaweit unter Schutz, da sie stark gefährdet war. Seit einiger Zeit breitet sie sich vom französischen Jura her wieder aus. Heute leben in der Schweiz wieder mehrere 100 Wildkatzen.

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    Das Projekt befindet sich in einer seit der Schliessung der Uhrenindustrie und dem Ende von Minenaktivitäten von Abwanderung geprägten Region.

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    Das Waldreservat Soulce-Undervelier ist nach dem FSC-Waldstandard zertifiziert.

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    Nach ca. 40 Jahren werden sich Wachstum und Zerfall die Waage halten.

In einem jurassischen Waldreservat wird auf die Holznutzung verzichtet. Die dadurch mehr anfallende Holzbiomasse speichert CO2, wodurch dessen Konzentration in der Luft reduziert wird. Zusätzlich schafft der Verzicht auf Holznutzung Lebensraum für gefährdete Tierarten wie Gelbringfalter, Alpenbock-Käfer und Wildkatze.

Wenn auf eine Waldbewirtschaftung und Holzschlag verzichtet wird, steigt der Anteil an Baum-Biomasse im Durchschnitt auf das Doppelte. Im Vergleich zu einem bewirtschafteten Wald verdoppelt sich dementsprechend bis zum Jahr 2040 auch die CO2-Speicherung – CO2 in der Luft wird also um Faktor 2 reduziert. Für diese so genannte Senkenleistung erhalten die Waldeigentümer Zertifikate pro reduzierter Tonne CO2. Diese werden mit einem fixen Betrag vergolten, so dass der Anreiz den Wald langfristig nicht zu bewirtschaften gegeben ist.

Die finanzschwachen Gemeinden Bourgeoisie Soulce und Undervelier richteten im Distrikt Délémont im Kanton Jura in einer von Abwanderung geprägten Region ein Waldreservat von 174 ha ein, worin für 99 Jahre auf die Holznutzung verzichtet wird. Der Nutzungsverzicht wird von Bund und Kanton zu 70 Prozent entschädigt. Die Lücke von 30 Prozent wird vom Geld der CO2-Zertifikate finanziert und war daher mitentscheidend für die Reservatsgründung. 

Wie kann myclimate garantieren, dass das CO2 in der Biomasse auch tatsächlich und längerfristig gespeichert wird? 

Für einen allfälligen Verlust der gespeicherten Menge an Kohlenstoff, beispielweise durch Baum-Krankheiten oder Waldbrände, wurde ein Risikopuffer von 35 Prozent eingerichtet. Das heisst, dass über ein Drittel der CO2-Zertifikate zur Absicherung stillgelegt werden. Ausserdem beruht die Berechnung des Speichereffektes auf sehr konservativen Annahmen. So wurden zum Beispiel der Kohlenstoff, der im Boden gespeichert ist, und Totholz in den Berechnungen nicht berücksichtigt. Zusätzlich sind die Wälder nach dem FSC-Waldstandard zertifiziert und die Kontrolle des Holznutzungsverzichts untersteht dem kantonalen Forstdienst. Da sich der Bund im Rahmen des Kyoto-Protokolls einen Teil der Senkenwirkung der Schweizer Wälder an die nationale Klimabilanz anrechnet, wird jedes CO2-Zertifikat dieses Projektes zusätzlich mit einem Zertifikat in einem Kleinbauernfamilien-Aufforstungsprojekt von myclimate in Nicaragua hinterlegt, um eine allfällige Doppelzählung durch den Staat zu vermeiden. 

Welche Tierarten schützt das Projekt?

Dank den zusätzlichen finanziellen Mitteln aus den CO2-Zertifikaten werden punktuelle Massnahmen zur Biodiversitätsförderung umgesetzt, um neuen Lebensraum zu schaffen für seltene oder gefährdete Tierarten wie die Wildkatze (Felis silvestris), den Alpenbock (Rosalia alpina) oder den Gelbringfalter (Lopinga achine) zu schaffen. So wird hie und da eine kleine Lichtung geschlagen, ohne die sich der Gelbringfalter der Lichtverhältnisse wegen nicht vermehren kann, oder es werden Pflanzen gesetzt, die Ernährungsgrundlage des Alpenbocks sind. Dank dem Verzicht auf die wirtschaftliche Nutzung dieses Waldes und der Errichtung einer Naturschutzzone wird der Lebensraum dieser Tiere geschützt. 

Dieses Projekt ermöglicht finanzschwachen Gemeinden in der Schweiz Natur- und Umweltschutz und fördert gleichzeitig das Einkommen aufforstender Kleinbauernfamilien im zweitärmsten Land Lateinamerikas. 

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