PARTNER PORTRAIT Hostelling International – Nachhaltigkeit als Teil der DNA

27. Juni 2017

Nachhaltigkeit ist tief mit der DNA von Hostelling International verbunden. Seit 1932 widmet sich Hostelling International (HI) mit seinen Mitgliedern und nationalen Verbänden der Förderung eines nachhaltigen Tourismus. Im Hinblick auf die ökologische Nachhaltigkeit unternimmt myclimate Partner HI starke Bemühungen, um den CO2-Ausstoss der einzelnen Herbergen weltweit deutlich zu reduzieren und langfristig CO2-Neutralität zu erreichen. Brianda Lopez, Leiterin Programme, Standards & Nachhaltigkeit (PSS) bei Hostelling International, gibt Hintergrundinformationen über die Strategie von HI und zu konkreten Programmen und Massnahmen.

Hostelling International; nachhaltiger Tourismus; Nachhaltigkeitsvorreiter; Brianda Lopez

Brianda Lopez, Head of Programmes, Standards & Sustainability (PSS) bei Hostelling International im Interview mit myclimate

Seit 1932 fokussiert sich Hostelling International schon auf Nachhaltigkeitsfragen, bitte geben Sie uns noch etwas Hintergrundwissen zur Organisation, ihrer Geschichte und Mission!

Seit Gründung 1932 ist Hostelling International (HI) eine nichtstaatliche, gemeinnützige Organisation und ein weltweites Netzwerk von 67 Nationalen Vereinigungen (NAs) mit ca. 3.700 Herbergen und 3,7 Millionen Mitgliedern. Wir sind der sechstgrösste Übernachtungsanbieter der Welt und einer der weltweit grössten Jugendorganisationen. Wir sind sowohl von der UNESCO anerkannt als auch Affiliate Mitglied der UNWTO (United Nations World Tourism Organization).

Jugendherbergen bieten eine sehr preiswerte Unterkunft, die es Jugendlichen aus verschiedenen Nationalitäten, Kulturen und sozialen Hintergründen ermöglicht, sich informell zu treffen, Erfahrungen auszutauschen und sich selbst und ihre Umgebung (neu) kennenzulernen. Auch heutzutage, in einer sich ständig verändernden Welt bleiben die Werte der Organisation: Nachhaltigkeit, Lernen und Verständnis, Inklusion und Authentizität wichtig und relevant.

Wie stark ist Klimaschutz in Ihrem "Nachhaltigkeitsmix" weltweit verankert?

Aufgrund unserer Mission und unseres Fokus' auf sozialer Verantwortung, ökologischer Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit sind wir in unserem Markt einzigartig positioniert. Wir gehören zu den ältesten Erfolgsbeispielen der Bewegung, die heute als Nachhaltiger Tourismus bekannt ist. Wir sind bestrebt, unsere seit dem Beginn wichtigen Bemühungen um eine weltweite Vernetzung von nachhaltigen Organisationen und Herbergen weiter zu intensivieren.

In unserer Nachhaltigkeitsleitlinie, der "HI Nachhaltigkeits-Charta", findet sich als ein wichtiges Ziel im Umweltbereich, außergewöhnliche Anstrengungen zu unternehmen, um den Klimawandel zu minimieren. Dies wollen wir dadurch erreichen, dass wir den CO2-Ausstoss von HI-Herbergen weltweit deutlich reduzieren und auf die Erreichung der CO2-Neutralität hinarbeiten.

Wie schaffen Sie es, für mehr als 85 Länder einheitliche Nachhaltigkeitsrichtlinien zu erstellen, dafür vergleichbare Daten zu erheben und spezifische Ziele zu setzen?

Vielfalt ist schön und herausfordernd zugleich. Unsere Mitglieder befinden sich in der Regel unterschiedlich weit auf dem Weg in ein völlig nachhaltiges Geschäft. Sie haben individuelle Marktsituationen und Zugang zu verschiedenen Ressourcen. Eine unserer Aufgaben als „Zentrale“ ist es, dafür zu sorgen, dass alle unsere Vorgaben und Hilfestellungen diese Unterschiede adressieren und jedem unserer Mitglieder die Möglichkeit bieten, unsere gemeinsame Vorstellung umzusetzen.

Wir sind glücklich, dass sich seit 2010 alle unsere Mitglieder (Entscheidungsträger) durch ihre Zustimmung zu unserer "HI Nachhaltigkeits-Charta" zu unseren globalen Nachhaltigkeitszielen bekannt haben. Als zweiten Schritt haben wir ein Netzwerk an Nachhaltigkeitskoordinatoren aufgebaut, in dem jeder unserer Mitgliedsverbände vertreten ist. Das Team arbeitet zusammen, um Wissen und „Best Practices“ zu teilen sowie Herausforderungen gemeinsam zu meistern.

Schliesslich brauchten wir Werkzeuge und Programme zur Umsetzung unserer Richtlinien. So haben wir im Jahr 2014 ein Sustainability Management System namens HI-Q & S (Quality & Sustainability) entwickelt, das unseren Herbergen und den Headoffices hilft, soziale, ökologische und finanzielle Nachhaltigkeitsmassnahmen einzubringen. Das System wird vom Global Sustainable Tourism Council (GSTC) anerkannt. Das HI-Q & S Programm und die Zertifizierung sind ein zentrales Werkzeug, mit dem wir unsere Standards in jeder Herberge bekannt machen, diese umsetzen, aber auch überwachen. Das Programm umfasst zehn Bereiche: Einsatz eines Managementsystems zur Nachhaltigkeit; Schutz der natürlichen und kulturellen Schätze; Gebäude; Wasser; Abfall; Mobilität; Personal; Arbeit in den Gemeinden; Essen und Getränke und faires Geschäftsverhalten.

myclimate hat für HI einen Benchmark-Bericht für Jugendherbergen in mehr als 20 Ländern durchgeführt. Was waren die für Sie überraschendsten Ergebnisse?

Benchmarking ist ein grossartiges Werkzeug, um unser Netzwerk zu motivieren und zu begeistern. Wir haben bereits 2011 mit myclimate einen ersten Benchmark-Bericht gemacht, den wir dieses Jahr um neue Länder erweitert haben. Jetzt verfügen wir über Daten zu den CO2-Emissionen pro einzelner Übernachtung in rund 40 Ländern, was fantastisch ist.

Ich war überrascht, dass die Daten unabhängig vom Land nur wenig abweichen, wenn man natürlich dabei jene Regionen ausschliesst, die mit Hitze oder extremen Wetterbedingungen konfrontiert sind, wie z.B. im Mittleren Osten oder Südostasien.

Was sind im Klimaschutz Ihre kurzfristige und langfristige Ziele und wie unterstützt Sie myclimate dabei?

Kurzfristig möchten wir das Verständnis dafür erhöhen, dass Bemühungen im Klimaschutz einen ökonomischen Wert haben. Die Anzahl der Herbergen und Länderbüros, die an unserem HI-Q & S-Programm teilnehmen, wollen wir ebenso erhöhen, wie wir über unsere Buchungsplattform mehr Gäste zu bewegen wollen, Ihre CO2-Emissionen in myclimate-Projekten zu kompensieren. Schliesslich erstellen wir unseren ersten "HI Global Interaction Report", mit dem wir unsere Vorstellung eines nachhaltigen Tourismus in die Kampagne für nachhaltigen Tourismus der UNWTO einbringen.

Unser langfristiges Ziel ist CO2-Neutralität. Wir haben bereits einige klimaneutrale Hostels und Verbände. Um das auf den Rest unseres Netzwerks zu erweitern, wollen wir in Partnerschaft mit myclimate als Teil unseres HI-Q & S-Programms ein externes Modul für klimaneutrale Hostels und Verbände erstellen.

myclimate ist seit 2011 ein wichtiger Partner im Klimaschutz und wir freuen uns darauf, bestehende Projekte fortzuführen und neue Wege der Zusammenarbeit zu finden.

Hostelling International wurde auf der ITB 2013 mit dem myclimate Award als "Pionier im Klimaschutz international" ausgezeichnet.

Mission Hostelling International

"Die Förderung der Erziehung Jugendlicher aller Nationen, vor allem aber junger Menschen mit begrenzten Mitteln, durch das Vermitteln eines grösseren Wissens und einer Liebe und Achtsamkeit der Natur und einer Wertschätzung der kulturellen Werte von Städten und Regionen in allen Ländern. Und als Ergänzung dazu, Hostels oder andere Unterkünfte bereit zu stellen, in denen es keinen Unterschied von Rasse, Nationalität, Farbe, Religion, Geschlecht, Klasse oder politischen Meinungen gibt, um damit für ein besseres Verständnis Mitmenschen im In- und Ausland gegenüber zu sorgen.“
Artikel 4 des Memorandums und der Satzung von Hostelling International

Daten und wichtige historische Fakten

88 Länder • 67 Nationale Verbände • Lizenzierte Jugendherbergen in 23 Ländern • 3.700 Herbergen • 290.000 Betten • 33,7 Millionen Übernachtungen pro Jahr • 3,7 Millionen Mitglieder

1909 – Das Konzept der Jugendherbergen wurde in Deutschland vom Lehrer Richard Schirrmann gegründet.
1912 – Die erste offizielle Jugendherberge wurde in Burg Altena eröffnet. In der Folge wuchs die Jugendherbergsbewegung schnell.
1931 – Es gab 12 Jugendherbergenverbände in Europa mit insgesamt 2.600 Herbergen.
1932 – Der Internationale Jugendherbergsverband (IYHF) wurde auf der ersten Internationalen Konferenz in Amsterdam gegründet. Richard Schirrmann wurde zum ersten Präsidenten gewählt.
1952 – Mindeststandards für alle Herbergen wurden von der internationalen Konferenz verabschiedet.
1965 bis 1970 – Herbergen auch in den grossen Städten der Welt wurden immer häufiger.
2007 – Die International Youth Hostel Federation formierte sich als Hostelling International.
2009 – Das hundertjährige Jubiläum wurde im ganzen Netzwerk von fast 4.000 Herbergen gefeiert.
2010 – Die 48. Internationale Konferenz verabschiedete eine Nachhaltigkeits-Charta, die das Engagement der Bewegung "ihre Bemühungen um eine weltweite Vernetzung von nachhaltigen Organisationen und Herbergen zu intensivieren" demonstriert.

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