“Unbekannter Kontinent – niemals aufhören neugierig zu sein“ – ein YES Erfahrungsbericht

12. Januar 2018

Iana Perevoshchikova ist eine Erasmus Mundus Stipendiatin mit Abschluss in Gartenbauwissenschaften. Ihr Studium bestand aus einem Masterprogramm , das an drei Universitäten in Italien, Deutschland und Österreich gemeinsam angeboten wird. 2017 nahm die umweltinteressierte Agrarwissenschaftlerin am YES Kurs in Costa Rica teil. Sie hat ihre Erfahrungen und ihre Erkenntnisse in einem Blogpost zusammengefasst.

YES; Youth encounter on Sustainability; Costa Rica; sustainability classes

Picture Credit: Iana Perevoshchikova

Es war ein kalter Winterabend, an dem ich, in eine Wolldecke gehüllt, begonnen habe, mir die Fotos meiner Reise vom vergangenen September nach Costa Rica zum YES Lab anzusehen. (Beschreibung dazu hier) Dabei kam mir eine Frage in den Sinn: Was bedeutet dieser YES-Kurs für mich?

Der zweiwöchige interaktive Kurs mit 24 Studenten aus 16 Ländern war eine wahrhaft unvergessliche Erfahrung. Die meisten Teilnehmer stammten aus Südamerika, aus  Ländern wie Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Brasilien, Guatemala, Mexiko oder Kolumbien. Aber einige kamen auch aus Europa, etwa aus Deutschland, Belgien oder Italien. Meine Zimmerpartnerin stammte aus Curacao – einer Insel im karibischen Meer (es ist beschämend, aber ich wusste nicht einmal, dass dieses Land existierte).

Zusammenfassend war YES eine inspirierende, harmonische, leidenschaftliche, aufregende, wunderbare, solidarische, aktive, spirituelle, motivierende, freundschaftliche, befreiende, befähigende, lebensverändernde, gemeinschaftliche, einfallsreiche, stärkende und verbindende Erfahrung. Wir trafen viele interessante Persönlichkeiten, lernten neue Ideen und Konzepte kennen und erfuhren von inspirierenden Beispielen von Menschen, die ihrer Leidenschaft folgen und der Welt echten Wert bringen.

Was waren die Inhalte? Wir tauschten uns auch rund um die grössten Herausforderungen im Nachhaltigkeitsbereich in unseren Herkunftsländern, sowie Vorbilder, die uns inspirieren, aus. Mit einer Fotosession beschrieben wir unsere Heimat und fokussierten uns dabei auf Indikatoren wie dem CO2 Ausstoss pro Person oder dem sozialen Fortschritts Index. Das war eine sehr kreative Art zu lernen.

Eine unserer Lernmethodenwaren Diskussionsen und der direkte Austausch mit eingeladenen Gastrednern, die alle mit ihren Tätigkeiten zum Erreichen der SDGs erfolgreich beitragen. Zum Beispiel Edga Mora, der Bürgermeister von Curridabat, einem Distrikt in Costa Rica, der innovative Stadtplanung mit inklusivem Ansatz umsetzt (das heisst die Bürger können sich beteiligen). Wir trafen Andrea San, die eine NGO führt und als Expertin Unternehmen zu Nachhaltigkeitsfragen berät.

Spannende Vorträge

Wir beschäftigten uns in der Tiefe mit Themen wiedem CO2-Fussabdruck und wie man so einen berechnet, Energiesystemen, Kreislaufökonomie, nachhaltigem Tourismus und dem Canvasmodell für Unternehmen. Es war hilfreich einen Überblick über die grossen Herausforderungen unseres Jahrhunderts und die Wege, um die SDGs zu erreichen, zu erhalten. Diese Vorträge wurden von herausragenden Experten wie Dr. Stefan Gara (Managing Director ETA Nachhaltigkeitsberatung, PhD in Physik) oder Monica Araya, die uns in die Welt von Elektroautos und –busse einführte, gehalten.

Stefan Gara konzentrierte seine Lektion auf zweckgerichtete Unternehmen, deren Hauptziel ist, einen Mehrwert für die Welt zu kreieren. Für ihn ist die Voraussetzung für einen erfolgreichen Weg, das persönliche „IKIGAIN“ zu finden. Dies kann vage mit Lebenssinn übersetzt werden. Das IKIGAIN ist wie  Punkt, der genau in der Mitte zwischen deinen Talenten, also dem, was du gerne machst, den Bedürfnissen anderer Menschen und dem, wofür sie bereit sind zu zahlen., liegt. Wenn du dein „IKIGAI“ gefunden hast, solltest du ein Netzwerk aufbauen. Versuche Menschen zu helfen und sie zueinander zu führen, zum Beispiel diejenigen, die etwas brauchen, mit denen die entsprechendes anbieten.

Um ein eigenes Geschäft zu gründen, musst du laut Gara zwingend deine Zielgruppe sehr gut kennen und nicht bloss ein Produkt verkaufen, sondern eine Lösung für ein Problem anbieten.

Unvergessliche Exkursionen

Während des Kurses besuchten wir eine Bananenplantage, eine Schokoladenfarm und einen innovativen experimentellen Agrarbetrieb.

Volles Programm

Unser Zeitplan war so vollgepackt, dass wir es bloss einen Nachmittag an den Strand geschafft haben.

Kunsttherapie-Sitzung

Wir hatten ausserdem die Chance in der Gruppe, aber auch alleine, an einer Kunsttherapiesitzung teilzunehmen. Monica Ventura stellte uns persuasive Kommunikation, Visionboard und weitere Kreativinstrumente vor, die einem helfen sich auszudrücken, seine Ziele zu erreichen und Problemstellungen zu analysieren. Ich glaube, Kunsttherapie ist ein tolles Instrument, um sich seiner Gefühlen bewusst zu werden und diese auszudrücken. Ich denke, es sollte Bestandteil des täglichen Lebens von jedermann sein.

Die Vielfalt entdecken

Costa Rica beherbergt sechs Prozent der weltweiten Biodiversität. Das ist ein Grund, weshalb ich immer davon geträumt habe, das Land eines Tages zu besuchen.

An einem Abend präsentierte jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer typische Gerichte aus seinem Herkunftsland. Ich entdeckte einige tolle Spezialitäten und konnte sie als Souvenirs mit nach Hause nehmen. Es war sehr schön, verschiedene Traditionen kennenzulernen, die eigenen zu teilen und dabei seinen Horizont zu erweitern.

Projektentwicklung und -verteidigung

Während des Programms präsentierte jeder seine eigene Idee zu einem eigenen nachhaltigen Unternehmen. Vier davon wurden ausgewählt und anschliessend in Gruppen vertieft. Es war erstaunlich zu erforschen, wie das ursprüngliche Projekt von den einzelnen Gruppen verändert und weiterentwickelt und dabei mit kreativen Ideen angereichert wurde.

Am Ende des Kurses haben wir unseren Gruppen-Pitch der Jury vorgestellt, die uns dann einige Verbesserungsvorschläge gegeben hat. Geleitet wurde der gesamte Prozess von Dr. Matt Gardner - einem Harvard Dozenten, der eine eigene Beratungsfirma für Nachhaltigkeitsfragen führt.

Netzwerk und wunderbare Gemeinschaft

Ich war glücklich, so viele enthusiastische und motivierte Leute zu treffen, die die Welt in Zukunft sicher verändern werden, zu treffen. YES hat ein Alumni-Netzwerk und wir sind nun alle Teil davon.

Und sonst?

Premieren

Ich kam auf einen neuen Kontinent und ließ mich inspirieren, ihn zu erforschen.

Ich war an einem karibischen Strand

Ich habe die Kakaofrucht gesehen, ich habe eine echte Schokolade gemacht und getrunken (aber das ist eine andere Geschichte, die ich bald erzählen werde).

Ich bin sehr glücklich und dankbar, eine der wunderbarsten Erfahrungen, die ich in meinem Leben gemacht habe, mit euch zu teilen. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir als YPARD-Netzwerk die Möglichkeiten für Jugendliche, zu lernen und zu erforschen, zu reisen und zu studieren, ihre eigenen Erfahrungen zu machen, sich in den multikulturellen Gesellschaften zu entwickeln und diese Welt besser zu verstehen, weiter verbessern sollten.

Über YES

YES Labs gehen über die reine Wissensvermittlung hinaus. Sie sind interaktiv gestaltet und haben zum Ziel, Teilnehmer mit unterschiedlichen kulturellen und sozialen Hintergründen zusammenzubringen. In intensiven zweiwöchigen Impact Labs entwickeln Studierende, Absolventen und Fachleute aus Praxis und Wissenschaft Antworten auf Nachhaltigkeitsherausforderungen. Die Fragestellungen werden von lokalen Partnern (Universitäten, Unternehmen, Organisationen) aufgeworfen. Teilnehmende aus allen Sektoren und Ländern treffen zusammen und erarbeiten in einem transdisziplinären, transkulturellen und praxisorientierten Rahmen bedarfsgerechte Lösungen. Gleichzeitig entsteht ein internationales Netzwerk, das über die einzelnen Kurse hinaus einen regen Austausch fördert und eine nachhaltige Entwicklung weltweit vorantreibt.

Die YES Alumni Community besteht mittlerweile aus rund 1’500 Personen aus über 140 Ländern. Viele der Alumni sind heute in leitenden Positionen in der Wirtschaft tätig oder staatlichen Institutionen sowie NGOs. Ein grosser Prozentsatz hat mit Erfolg eigene nachhaltige Geschäftsideen verwirklicht.

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