Was wichtig ist – Portrait einer Leistungssportlerin mit Hang zur Nachhaltigkeit

7. Juli 2016

Wer sind die Leute, denen Klimaschutz wichtig ist? Esther Haller, Ernährungsberaterin BSc, ambitionierte Triathletin und Unterstützerin von myclimate ist eine davon. Als Leistungssportlerin steht sie vor grossen Aufgaben, und im besten Fall für sie vor einem kleinen Dilemma. Was das genau bedeutet erklärt sie in einem Interview.

Ironman Zürich; Leistungssport und Klimaschutz; Esther Haller

Esther Haller: Leistungssportlerin und Unterstützerin von myclimate

Esther Haller kam über eine Freundin vor gut zehn Jahren und reichlich unbedarft zum Triathlonsport. Seitdem hat sie dieser Virus nicht mehr losgelassen – vor sechs Jahren absolvierte Sie ihren ersten olympischen Triathlon. Ihren grössten Erfolg feierte die 28-jährige im vergangenen Jahr beim IRONMAN in Kalmar/Schweden, wo sie mit einer Zeit von unter zehn Stunden ihre Altersklasse für sich entscheiden konnte. Ein ähnliches Resultat beim „Heim-IRONMAN“ in Zürich könnte mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Startberechtigung für den Wettkampf auf Hawaii bedeuten. Bei den Wettbewerben wird sich auch die myclimate Wolke auf Esthers Wettkampfoutfits befinden.

Esther, warum hat der Klimaschutz für Dich einen wichtigen Stellenwert?

„Unser Planet ist unser Zuhause, unser einziges Zuhause. Wo sollen wir denn hingehen, wenn wir ihn zerstören.“ dieses Zitat vom Dalai Lama drückt aus, welchen Stellenwert für der Klimaschutz hat: Einen sehr, sehr hohen. Ich denke, dass mit der kontinuierlichen Zunahme der Erdbevölkerung, die Nachhaltigkeit einen immer grösseren Stellenwert in unserem Alltag einnehmen sollte. Die Menschheit hat mit der Welternährung und der Klimaerwärmung Herausforderungen, welche meiner Meinung nach effizient und sinnvoll angegangen werden müssen. Ich sage bewusst „die Menschheit“, denn jede einzelne Person ist für die Nachhaltigkeit auf unserer Erde und somit für den Klimaschutz mitverantwortlich.

John F. Kennedy sagte einmal: „Ask not what your planet can do for you, ask what you can do for your planet“. Ich versuche mit Kleinigkeiten im Alltag (z.B. regionale Lebensmittel einkaufen, Recycling, Fahrrad anstelle des Autos für kurze Strecken benutzen) meinen Beitrag zu leisten. Jedoch fehlt es mir wie so vielen schwer, mein ganzes Leben auf den Klimaschutz ausrichten. Ich reise gerne, und muss für weitere Strecken den Flieger nehmen. Ich weiss, wie schädlich dies für unsere Erde ist. Deshalb unterstütze ich Organisationen wie myclimate, um einen verantwortungsvollen Gegenbeitrag dazu zu leisten.

Wie lässt sich ein bewusster Lebensstil mit professionellem Sport und dessen Notwendigkeiten wie internationalen Wettkämpfen vereinbaren?

Wie oben erwähnt versuche ich mit einfachen Dingen täglich einen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten. Einen grossen Teil macht bei mir auch beruflich die Auswahl der Lebensmittel aus. Ich konsumiere sehr wenig Fleisch und wenn dann nur Schweizer Fleisch. Fisch esse ich maximal einmal pro Woche. Beim Öl achte ich auf Öl aus Europa (z.B. Schweizer Rapsöl, Olivenöl aus Italien). Ich gehe auch nicht jedem „Super-Food-Trend“ nach (Açaí-Beeren aus dem Amazonasgebiet etc.), da es oft vergleichbare Alternativen aus der Nähe gibt.

Dieses Jahr habe ich bewusst Wettkämpfe in der Nähe gewählt, damit ich keine Reise an den Wettkampfort machen muss. Jedoch flog ich zweimal in ein Trainingslager, für meine Trainingsplanung sind diese Wintertrainingslager unerlässlich. Deshalb finde ich Flüge zu kompensieren – eines der vielen Angeboten von myclimate – eine gute Sache. Vor allem, weil ich weiss, dass nicht nur das Klima von diesem Ausgleich profitiert, sondern gleichzeitig noch viele Menschen vor Ort.

Was sind Deine Ziele für den kommenden Wettkampf und was würde eine Teilnahmeberechtigung für Hawaii für Dich bedeuten?

Mein Ziel ist es bis zum IRONMAN Zürich mit viel Freude und verletzungsfrei weiter zu trainieren. Am IRONMAN Zürich möchte ich körperlich und mental 150% bereit sein, um den Wettkampf – neben der Anstrengung – geniessen zu können. Ich möchte über die Ziellinie laufen und sagen: „Ich habe alles gegeben und bin mit mir und meiner Leistung zufrieden.“ Falls es dann für einen Podestplatz reicht, wäre ich sehr erfreut.

Wenn ich mich zusätzlich für die Weltmeisterschaft in Kona/ Hawaii qualifizieren würde, dann bin ich in einem Dilemma. Denn ich weiss nicht, ob dies „mein Ding“ wäre. Für mich ist es wichtig, den Triathlon mit viel Freude zu machen und nicht zu verbissen. Hawaii würde bedeuten; erneut zu trainieren, eine weite Reise auf mich zu nehmen sowie auch Kosten im vierstelligen Bereich. Andererseits wäre es ein wertvolles Erlebnis, welches ich wahrscheinlich nie wieder vergessen werde.

Wie motivierst Du Dich? Im Training und in kritischen Wettkampfsituationen?

Damit ich den grossen Trainingsaufwand neben der Arbeit und einer beruflichen Weiterbildung auf mich nehme, brauche ich ein Ziel. Dies habe ich mir mit dem Ironman Zürich gesetzt. Neben dem Ziel, welches ich intensiv fokussiere, spielt die Leidenschaft, welche ich zum Sport habe, eine entscheidende Rolle. Der Sport gibt mir sehr vieles und ist für mich ein idealer Ausgleich zum Beruf. Ausserdem bin ich täglich sehr dankbar darüber, zwei unbezahlbare Privilegien zu haben: Meine Gesundheit und die Möglichkeiten, Triathlon machen zu dürfen.

Am 24. Juli starten neben Esther Haller wieder Athletinnen und Athleten aus mehr als 60 Ländern beim IRONMAN Zurich Switzerland. Wie im Vorjahr ist der Wettbewerb dabei klimaneutral. Die Veranstalter kompensieren alle rund um den Wettkampf entstehenden Emissionen im myclimate Projekt „Kommunales Aufforsten in Nicaragua“.

myclimate wünscht allen Athleten und besonders Esther viel Glück und Erfolg! 

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