YES Lab im Dezember im Iran

17. Oktober 2016

Im Dezember wird das YES Lab zum ersten Mal in Iran an der Polytechnischen Universität Amirkabir (AUT) in Teheran zu Gast sein. Für dieses YES Lab, in einem Land, das für seine reiche Kultur und Geschichte bekannt ist, sind noch letzte Plätze verfügbar. Im nachfolgenden Interview beschreibt Professor Reza Maknoon, Direktor des Nachhaltigkeitsinstitutes der AUT, welche thematischen und kulturellen Höhepunkte die Teilnehmer erwarten dürfen.

YES Lab im Dezember im Iran

Welchen Hintergrund hat die Kollaboration zwischen YES und Ihrer Universität, die nun zum ersten YES Lab im Iran geführt hat?
„Low Carbon Businesses“ sind im Iran zu einem sehr wichtigen Thema geworden, insbesondere im Zusammenhang mit den Zielen für eine nachhaltige Entwicklung (sustainable development goals – SDGs) auf nationaler und internationaler Ebene, umweltpolitischen Themen und der Verpflichtung, die Iran an der Pariser Klimaschutzkonferenz angenommen hat (Reduktion der Treibhausgase um vier Prozent bis 2030). Folglich wird die Bereitstellung der benötigten Infrastruktur zwangsläufig notwendig. Die Polytechnische Universität Amirkabir, unter iranischen Universitäten für ihre Pionierarbeit in nachhaltiger Entwicklung bekannt, legt ihren Fokus seit 2015 noch stärker auf die Ziele für einen nachhaltige Entwicklung (SDGs).

Das YES Lab hängt direkt mit mindestens fünf Zielen der SDGs zusammen und ermöglicht Studenten wichtige Fähigkeiten im Bereich der Nachhaltigkeit zu entwickeln. Die AUT fühlt sich daher geehrt einen der diesjährigen Kurse auszurichten, da YES bereits von vielen namhaften Universitäten wie der ETH Zürich, der ETH Lausanne, dem Massachusetts Institute of Technology (MIT), der Universität von Tokyo oder der Chalmers Universität Göteborg unterstützt worden ist. Ausserdem zählt Dr. Mohammed Reza Alavimoghadam, ein Mitglied der AUT Fakultät, zu den ersten YES-Alumni aus Iran, die 2002 in der Schweiz teilgenommen haben. Auch Morteza Nikravan, der als Vizedirektor des Nachhaltigkeitsinstitutes das YES Lab gemeinsam mit ehemaligen YES-Teilnehmern in den Iran gebracht hat, ist YES-Alumnus (YES Japan). Für die AUT stellt das YES Lab ein wichtiger erster Schritt dar, um iranischen Unternehmern zu zeigen, wie sie ihre Geschäftsideen nachhaltiger umsetzen können.

Was sind Ihre Erwartungen ans YES Lab Iran?
Wir erhoffen uns, dass das YES Lab in folgenden Bereichen Inspiration, Ideen und Input liefern kann:
1.    Innovative Ideen für Lösungsansätze bezüglich Klimawandel
2.    Anwendung von Musterlösungen für das Abfallmanagement in nördlichen Regionen Irans
3.    Schulung der Teilnehmer in Ansätzen fürs „Capacity Building“
4.    Ganzheitliche Ansätze für die Verbindung von Wasser- und Abfallproblematiken

Welche Rolle spielen Nachhaltigkeitsthemen im Iran, einem Land das auch für sein Ressourcenreichtum und die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern bekannt ist?
Seit der COP 21 in Paris und den damit verbundenen SDGs, hat der Iran begonnen einen ganzheitlichen Ansatz für mehr Nachhaltigkeit auf nationaler und regionaler Ebene zu verfolgen. Konkret heisst das zum Beispiel:

  • Die freiwillige Verpflichtung die Treibhausgase bis 2030 um vier Prozent zu reduzieren, die für jeden Wirtschaftssektor beschlossen wurde.
  • Für 17 SDG Ziele sind 17 Ministerien ernannt worden, um als verantwortliche Organisation die Ziele zu verfolgen und mit entsprechenden Methoden umzusetzen. NGOs und der öffentliche Sektor werden in allen Bereichen einbezogen.
  • Universitäten werden involviert, um durch Forschung und Innovation optimale Umsetzungsmethoden zum Erreichen der Ziele zu erarbeiten.
  • Solar- und Windenergie können im Iran sehr gut verfügbar gemacht und genutzt werden und werden deshalb fossile Energieträger ersetzen.

Bei den YES Labs ist der kulturelle Austausch ein sehr wichtiger Bestandteil. Was können die Teilnehmer erwarten? Was ist besonders im Iran?
Wir hoffen, dass die Erfahrungen im YES Lab den internationalen Austausch fördern. Der Iran hat ein grosses Kultur- und Naturerbe, welches auch von der UNESCO gewürdigt wird. Dieses Erbe kann eine wichtige Rolle spielen, wenn die Geschichte der Region jungen Menschen aus aller Welt präsentiert wird.

Auf welches Thema im YES Lab freuen Sie sich am meisten?
Wir wollen im YES Lab die Abfallthematik behandeln. Im Iran enden beispielsweise 30 Prozent aller Nahrungsmittel im Abfall. Das bedeutet auch, dass 30 Prozent des Gesamtwasserverbrauchs für die Nahrungsmittelproduktion verschwendet wird. Auch die Entsorgung von Abfällen in Landgruben und die damit verbundene Wasserverschmutzung sind ein grosses Problem.

 

Das YES Lab Iran findet vom 4.-17. Dezember an der Polytechnischen Universität Amirkabir (AUT) in Teheran statt. Herausforderungen wie die Veränderung des Energiesystems, urbanen und ländlichen Infrastrukturen und der Verbrauch von Ressourcen werden thematisiert und die Teilnehmer entdecken Modelle für Unternehmen, Gesellschaften und ganze Regionen in einer „low-carbon“-Welt. 30 Studenten und Young Professionals werden aus der ganzen Welt im Iran zusammen kommen; dem Land der vier Jahreszeiten, das für seine reiche Geschichte und als wichtiger Akteur in globalen Energie- und Ressourcenthemen bekannt ist.

Im YES Lab werden die Studierenden und Young Professionals im intensiven 2-wöchigen Training gemeinsam mit Experten kreative Antworten auf Nachhaltigkeitsherausforderungen vor Ort und in im jeweiligen Herkunftsland entwickeln. Das einzigartige YES-Lernmodell ist praxisorientiert, befähigend, interdisziplinär und interkulturell – kurzum eine ganzheitliche Übung in angewandter Vielfalt. Seit dem Beginn in 2000 wurden 44 YES Labs in 13 Ländern umgesetzt.

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