Zum Glück geht ein Tal grundsätzlich abwärts …

31. August 2016

Hans Peter Leutwiler ist nicht nur einer der ersten Mobility-Kunden, er hat schon weit früher "car sharing" auf analoge Weise gelebt. Der Pionier erinnert sich: An seine ersten Erfahrungen im Bereich Mobilität, seine Motivation und die Geburtsstunde von Mobility.

Mobility, car sharing; Anfänge des car sharing, sharecom; Hans-Peter Leutwiler

Gründungsmitglieder Lokalgruppe Affoltern am Albis mit Hans Peter und Gwendy Leutwiler, Töchtern Maya und Käthy samt Hund hinter der Autotüre.

Herr Leutwiler, Sie sind einer der ersten, die von Mobility-Autos Gebrauch machten. Seit wann und wie kam es dazu?

Aus Umwelt- und Geldgründen wollte ich nie ein eigenes Auto besitzen, benötigte jedoch von Zeit zu Zeit eines. Aufgrund der Listen des VCS mit "Teilwilligen Autohaltern" und "Interessenten für Mitbenutzung" entstand in den 80er Jahren in Affoltern am Albis eine lose Mini-Gemeinschaft von fünf Benutzern – der Einfachheit halber ohne gemeinsamen Besitz geregelt, dafür mit für den Besitzer grosszügigem Kilometertarif und guter Versicherung.

1990 hörten wir von der umfassenden Teilen-Genossenschaft "ShareCom": Es sollten allerlei häusliche "Investitionsgüter" geteilt werden. Noch ganz ohne Computer, mittels Reservationsbüchern in Schlüsselkästen. Aufgrund der guten Erfahrungen mit der Mini-Gemeinschaft war der Schritt zur Gründung einer Lokalgruppe ShareCom klein.

1997 fusionierte ShareCom mit der Luzerner ATG zu Mobility, wuchs rasch und professionalisierte sich. Die einen Hauch des Speziellen spiegelnden Reservationsbücher waren bereits durch ein Telefonsystem und Internet ersetzt worden, die freiwilligen Wagenchefs verloren ihren Hut an professionelle Serviceleute und gewannen dafür Freizeit. Ein Auto an einem fernen Standort zu reservieren wurde kinderleicht.

Sie sind auch sofort auf klimaneutrales Autofahren umgestiegen. Was hat Sie dazu veranlasst, klimaneutral zu fahren?

Beruflich plane und baue ich Wasserkraftwerke und berate Inselstromversorgungen in Gebieten ohne Chance auf Netzanschluss. Da man ein Benzinauto nicht an Ökostrom anschliessen kann, war es selbstverständlich, diesen kleinen Zuschlag zu bezahlen. Damit ist die Autoteilet der Nachhaltigkeit näher gerückt: möglichst umweltfreundlich, sozial und bezahlbar.

Fällt Ihnen eine lustige Anekdote ein zu einer Ihrer Mobility-Fahrten?

Beruflich zuhinterst in einem Bergtal unterwegs, fehlte für eine Verlängerung der Reservationszeit das Handynetz. Bald lief auch das Auto wegen der abgelaufenen Reservation oder dem fehlenden Netz nicht mehr an. Also musste ich Schieben – alleine, das heisst auch noch Lenken. Zum Glück geht ein Tal grundsätzlich abwärts, doch da hiess es bei Beschleunigung sofort aufspringen, auch um Schwung für die nächsten Gegensteigungen zu sammeln. Serpentinen gerieten ohne Servohilfen zum Krafttraining. Einmal fuhr ich fast nebenaus. Da kam ein Jäger zum Stossen zu Hilfe. Endlich Handynetz zum Telefonieren und Verlängern. Ich kassierte von mobility eine saftige Verspätungsbusse.

Ist es Ihnen wichtig, zu verstehen, wie die CO2-Kompensation funktioniert und wohin die Gelder fliessen?

Grob habe ich Vieles erfahren, und die Homepage von myclimate ist reichhaltig. Detailliertes und wissenschaftlich Stichhaltiges weiss ich jedoch nicht. Eigentlich wäre es mir wichtig. "Wäre", denn als Konsument bin ich mit der Fülle von Nachhaltigkeitsfragen völlig überfordert. So muss ich Interessensprioritäten setzen, und mich für den Rest auf Medien und Organisationen verlassen.

mobility könnte zusammen mit myclimate vielleicht noch mehr Grundlagenwissen verbreiten und Transparenz über die Berechnungen verschaffen – angesichts der Informationsflut und der Komplexität des Problems eine grosse Herausforderung. 

Was möchten Sie mobility oder myclimate mit auf den Weg geben?

Während der Vergangenheit war die Entwicklung geruhsam, heute überschlagen sich wegen der Smartphone-Revolution die Neuerungen und die Herausforderungen durch Konkurrenzmodelle. Auch die flächendeckende e-Mobilität wird zum Thema. Ich wünsche mobility, mithalten zu können!

Wenn einmal gemäss Vision der Gründer zehn- oder gar hunderttausende teilbare Autos herumfahren, wünsche ich ein effizientes Tool für Einwegfahrten mit Rückgabe an fast jedem grösseren Bahnhof oder direkt an den Nachfolge-Benutzer. Dazu gehört auch ein leichter Zugang zu Schwesterorganisationen in Europa. Ein Tool zur (freiwilligen) direkten Kommunikation mit den Vor- und Nachbenutzern würde bei Pannen aller Art viel erleichtern.

Ein weiteres Potenzial steckt in der Integration einer Mitfahr-Plattform, insb. für die immer zahlreicher werdenden Senioren. Warum nicht auch eine Plattform für kleine Fahr- und Transportleistungen für Fahruntüchtige integrieren?! Das Zeitalter der Vernetzung der Dienstleistungen hat erst begonnen.

Interview mit der scheidenden Mobility-Geschäftsführerin Viviana Buchmann

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