myclimate Positionspapier für Transport- und Logistik-Kunden

Mobilität und Transport Branche

 

Berechnung der CO2e-Emissionen im Transportbereich

 

Verwendungszweck:

- Dieses Dokument zeigt die verschiedenen Berechnungsansätze für die Ermittlung der CO2eEmissionen im Transportwesen auf;
- Es beschreibt das transparente Vorgehen von myclimate im Austausch mit Logistik Kund*innen bei unterschiedlichen Ansätzen bezüglich Systemgrenzen.



Ausgangslage:

  • Insbesondere grosse Firmen beauftragen meistens Logistikunternehmen, um den Transport ihrer Ware durchzuführen und sicherzustellen. Da diese Aktivitäten im Verantwortungsbereich der auftraggebenden Firma liegen, müssen die verursachten Treibhausgasemissionen in den CO2-Fussabdruck miteingerechnet werden (nach    GHG Protocol und weiteren internationalen Standards);
  • Der Druck zur Berichterstattung und Erstellung einer Treibhausgasbilanz durch Standards, Normen und Richtlinien nimmt stetig zu;
  • In den letzten Jahren sind eigene Standards entstanden (z.B. der GLEC-Standard), welche beschreiben, wie die CO2e-Emissionen der Transportflotten berechnet werden sollen;
  • Häufig sind diese Berechnungsgrundlagen nicht immer kongruent mit der Methodik der Lebenszyklusanalyse, welche in der Ökobilanzierung eingesetzt wird (ISO 14044 ff.);
  • Die aufgrund der Methode der Ökobilanzierung berechneten Treibhausgasemissionen sind im Schnitt ca. 18 – 25% höher als die über den GLEC-Standard berechneten Emissionen.

 

Berechnungsmethoden:

  • In den letzten Jahren hat sich gezeigt, dass berichterstattende Logistikunternehmen ihre Treibhausgasemissionen häufig nach dem GLEC-Standard oder der DIN-Norm 16258 berechnen (lassen):
    • GLEC (Global Logistics Emissions Council): Betrachtung aller WTW-Emissionen (Well-to-Wheel, Treibstoff inklusive Vorkette), OHNE die Emissionen für Herstellung, Wartung/Unterhalt sowie Entsorgung der Fahrzeuge und der Infrastruktur (siehe ANNEX 1);
    • DIN Standard 16258: Gleiche Systemgrenzen wie GLEC (siehe ANNEX 2).
  • myclimate folgt den Systemgrenzen der ISO-Normen für Ökobilanzierung (ISO14040 ff.), wo der Lebenszyklusansatz zur Anwendung kommt: Sprich, alle Emissionen über den gesamten Lebenszyklus eines Transportes werden betrachtet, einschliesslich anteilsmässiger Herstellung und Entsorgung des Transportgefährts, Wartung und Strasseninfrastruktur (vgl. z.B. Berechnungsmethodik von ecoinvent Datenbank oder Mobitool).

1 Als Indikator wird das Treibhauspotential bezogen auf den Zeitraum von 100 Jahren gemäss (IPCC, 2021) verwendet, ausgedrückt in CO2-Äquivalenten (CO2e). Die 7 relevanten Treibhausgase, die zum Klimawandel beitragen, sind Kohlenstoffdioxid (CO2), Methan (CH4), Lachgas (N2O) Hydrofluorkarbonate, Perfluorkohlenwasserstoffe, Schwefelhexafluorid (SF6) und Stickstoff Trifluorid (NF3). Die 
verschiedenen Treibhausgase tragen unterschiedlich zur Klimaerwärmung bei, weshalb sie in CO2 -Äquivalente (sog. CO2e) umgerechnet werden.


Lösungsansatz für Transportunternehmen:

  • A) Im Kundengespräch wird auf die verschiedenen Berechnungsansätze der Treibhausgasemissionen im Transportwesen hingewiesen und die Unterschiede werden klar aufgezeigt;
  • B) Die Berechnung nach GLEC- oder DIN-Standard ist möglich, es muss aber vollständige Transparenz beim Ausweisen der Treibhausgasemissionen angestrebt werden, was konkret heisst:
    • Auf der Webseite oder andern Kommunikationskanälen der Transport- und/oder Logistikfirma muss an prominenter Stelle klar und deutlich deklariert werden, welche Systemgrenzen bzw. Berechnungsgrundlagen den Resultaten zugrunde liegen;
    • Ein myclimate «Wirkt.Nachhaltig»-Label kann nur für Firmen ausgestellt werden, welche den gesamten Lebenszyklus als Systemgrenze berücksichtigen (also inklusive Infrastrukturanteile).


HINWEIS: 
Möchte ein*e Kund*in dennoch freiwillig bei myclimate einen Klimaschutzbeitrag in der Höhe der Transportemissionen seiner Flotte/Firma leisten, dann muss auf die nach GLEC-Standard oder DIN 16258 berechneten CO2e-Emissionen je nach Transportart ein Aufschlag von 18 – 25 % dazugerechnet werden;

Die Berechnung der Treibhausgasemissionen für Flugwaren bedarf einer speziellen Analyse. Beim Flugtransport kommt nach Auffassung der wissenschaftlichen Community der RFI («Radiative Forcing Index») zum Zuge, welcher die Klimaerwärmung der Nicht-CO2-Emissionen2 in der höheren Atmosphäre berücksichtigt. Dieser RFI wird beim GLEC- und DIN16258-Standard nicht in die Berechnungen miteinbezogen (vgl. ANNEX 1 und ANNEX 2), bei myclimate jedoch konsequent angewendet.


Kontaktpersonen bei myclimate:

  • Christian Lehmann (CPM)
  • Martin Lehmann (C&S)

Zürich, Oktober 2023
myclimate


2 Nach aktuellem Kenntnisstand verursachen Kondensstreifen und die daraus gebildete hohe dünne Bewölkung (Zirren) die grösste Klimawirkung der Nicht-CO2-Emissionen, eine deutlich höhere als der Effekt von CO2. [Neu U (2021) Die Auswirkungen der Flugverkehrsemissionen auf das Klima. Swiss Academies Communications 16 (3).

 

ANNEX 1:
GLEC-Standard: Was für einen kompletten CO2e-Fussabdruck aus Sicht der Lebenszyklusperspektiven fehlt: glec-framework-20.pdf (feport.eu)  p.19


Exclusion from the GLEC Framework

The following items may contribute additional climate impacts for logistic activities but are not addressed by the GLEC Framework at this time for reasons of data availability, practicality or other issues. These exclusions may be revised in future updates to the Framework as new information becomes available.

  • Direct emissions of GHGs resulting from fuel spills and leakages (unless already embedded within fuell emissions factors).
  • Additional climate impacts from the combustion of aviation fuels in high atmosphere such as radiative forcing, contrails, cirrus, etc.
  • Processes at the administrative level of organizations, such as staff commuting, business trips, computer systems, and the operation of office builidings unrelated to the moving, storage and handling of freight within a logistic site.
  • Emissions from construction, maintenance and scrappage of vehicles or transport infrastructure.
  • The production and maintenance of vehicles.
  • The construction and maintenance of transport infrastructure.

 

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