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Was ist die Zukunft der freiwilligen CO2-Kompensation und der „Klimaneutralität“?

Mit den Beschlüssen der Klimaschutzkonferenz – COP26 – in Glasgow herrscht mehr Klarheit über die Umsetzung des Pariser Abkommens. Die Wichtigkeit internationaler Zusammenarbeit im Klimaschutz und die Bedeutung von Marktmechanismen und der freiwilligen Beiträge von Wirtschaft und Privatpersonen wurden nicht nur anerkannt, sondern durch geplante robuste Regeln gestärkt. myclimate verfolgt die Einführung und Umsetzung dieser Regeln sowie den Aufbau der dazu notwendigen Strukturen und gestaltet diese im Rahmen der eigenen Möglichkeiten aktiv mit. Dabei ist myclimate bestrebt, zusammen mit Partnern und Kund*innen weiterhin maximale Wirkung für den Klimaschutz global und lokal zu erzielen.

In der Folge gibt myclimate einen Überblick über die aktuellen Änderungen und Entwicklungen. Zudem zeigen wir auf, was diese heute und in Zukunft für unsere Partner aus der Wirtschaft aber auch für die vielen Individualpersonen, die myclimate unterstützen, bedeuten.

Das Pariser Abkommen und die Ergebnisse der COP26 in Glasgow

Marktbasierte Ansätze für internationale Anstrengungen zur Minderung von CO2-Emissionen sind durch den Artikel 6 des Pariser Klimaabkommens definiert. Um die konkrete Ausgestaltung dieses Artikels wurde in den letzten Jahren hart verhandelt. Erst an der COP26 in Glasgow im November 2021 konnten sich die Mitgliedsstaaten auf die konkreten Regeln zur Umsetzung dieses wichtigen Bausteins des Pariser Übereinkommens einigen, sechs Jahre nach dessen Verabschiedung. Nun liegt es an den Staaten, Unternehmen und der Gesellschaft den Vorgaben folgend und mit stetig wachsendem Wissen zu handeln.

Das Pariser Abkommen definiert, dass die Vertragsstaaten sich zu verbindlichen Zielen zur CO2-Reduktion, einer stetig sich steigernden Ambition und dem Netto-Null-Ziel verpflichten. Begleitend wird die Wichtigkeit von Beiträgen von Privatpersonen und Unternehmen für den internationalen Klimaschutz betont. Dafür wurden nicht zuletzt mit dem Artikel 6 Rollen und Regeln im Rahmen des Pariser Klimaabkommens formalisiert. 

Mit dem in Artikel 6 festgelegten Regelwerk (Paris Rulebook) soll zukünftig nicht nur zwischen den Staaten (Artikel 6.2) sondern auch bei Projekten im freiwilligen Markt (Artikel 6.4) für Unternehmen und Privatpersonen ausgeschlossen werden, dass es zu einer Doppelzählung von Emissionsreduktionen («double counting bzw. «double claiming») kommt. Um dies sicherzustellen, haben die Vertragsstaaten des Pariser Abkommens jeweilige Behörden (Designated National Authorities – DNA) für die Erstellung und Verwaltung einer CO2-Buchhaltung benannt. Emissionsminderungen, die aufgrund freiwilliger Anstrengungen von Unternehmen und Privatpersonen erreicht werden, sollen aus diesem nationalen Register gestrichen werden und somit nicht zur Zielerreichung des Landes beitragen können. Man spricht bei diesen entsprechenden Abgleichungen oder Einträgen in den CO2-Buchhaltungen der Staaten von «Corresponding Adjustments».

 

myclimate Projekte und das Angebot der Kompensation unter diesem neuen Regelwerk

myclimate ist seit der Klimakonferenz in Glasgow bestrebt, bei den Projekten im eigenen Portfolio solche Emissionsreduktionen (ER) mit «Corresponding Adjustments» so schnell und so umfänglich wie möglich anzubieten. Dazu stehen wir im engen Austausch mit unseren Projektpartnern vor Ort. 

Stand heute, Mai 2022, befindet sich die Arbeit besagter Behörden (DNA) allerdings noch im Aufbau. Es ist daher noch nicht abzusehen, wann ER’s mit «Corresponding Adjustments» tatsächlich ausgestellt werden können.

Das wichtigste Ziel für myclimate liegt auch weiterhin darin, die bestehenden Projekte mit ihren umfangreichen Beiträgen zu den Zielen nachhaltiger Entwicklung der UN (SDGs) zu unterstützen und zu deren Wachstum beizutragen. Diese Projekte erreichen weltweit nicht allein konkrete CO2-Einsparungen und tragen so unmittelbar zum Klimaschutz bei. Sie schützen nachweislich und messbar lokale Ökosysteme und verbessern auf vielfältige Art die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort. Diese Leistungen für eine nachhaltige Entwicklung müssen weiterhin erbracht werden. Umso mehr, da im Klimaschutz dringend (mehr) gehandelt werden muss. 

 

Auswirkungen für myclimate Unternehmenskund*innen und Privatpersonen  

Für unsere Kund*innen ändert sich im ersten Schritt nichts. In der Zusammenarbeit mit uns können sie auch weiterhin Projekte mit nachweislicher grosser Wirkung auf das Klima unterstützen, die von externen Qualitätsstandards zertifiziert wurden und der strengen myclimate-Sorgfaltsprüfung unterzogen wurden sind. Solange bis die «Corresponding Adjustments» verfügbar sind, ändert sich daher nichts an dem myclimate Klimaversprechen. Weiterhin bieten wir die Kompensation von Treibhausgasemissionen an und bei erfolgter und extern geprüfter Berechnung auch das Label «myclimate neutral». 

Sobald absehbar ist, dass es ein stetig wachsendes Angebot von Emissionsreduktionen mit «Corresponding Adjustments» gibt, werden wir in engen Dialog mit unseren bestehenden Kund*innen treten. Für die Auszeichnung mit dem Label «neutral» wird nach einer Übergangszeit und bei entsprechend verfügbarem Angebot ein Emissionsausgleich mit «Corresponding Adjustments» erforderlich sein. 

Weiterhin bleibt es unser Ziel, so viel wirksamen Klimaschutz wie nur möglich zu erreichen.    

 

Kompensation, Marktmechanismen und Klimaschutz

Der freiwillige Klimaschutz in Form von CO₂-​Kompensationen und der Unterstützung von Reduktions-​ oder Senkenprojekten hat 2020 so viel konkreten Klimaschutz bewirkt wie nie zuvor.* Auch der aktuelle Emissions Gap Report des UN-​Umweltprogramms (UNEP) bestätigt dies deutlich. Diese freiwilligen Beiträge sind in Anbetracht der bisherigen Entwicklungen nötiger denn je. Denn, selbst wenn alle die Zusagen und Absichten auf staatlicher bzw. internationaler Ebene eingehalten würden, stünden immer noch weit weniger Zeit und Finanzen für das Klima zur Verfügung als es braucht, um die übergreifenden Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen.

Die Wirksamkeit und Glaubwürdigkeit dieser Klimaschutzanstrengungen sind dann gegeben, wenn jeder Marktteilnehmer auch innerhalb des eigenen Unternehmens und – falls vorhanden – innerhalb der eigenen Lieferkette keine Anstrengungen scheut, um Emissionen zu reduzieren und zu vermeiden, wann immer sie zu reduzieren und zu vermeiden sind.  

Klar ist, dass nur dank Marktmechanismen die dringend und zeitkritisch benötigten Emissionsreduktionsziele zu überschaubaren Kosten erreicht werden können. Kohlenstoffmärkte liefern Klimaschutz und können für ambitioniertere Klimaziele sorgen – WENN es klare Regeln und Transparenz gibt!

*Siehe den Report „State of the Voluntary Carbon Markets 2020“

Berechnen Sie Ihre CO2-Emissionen und unterstützen Sie wirksamen Klimaschutz.

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