Partnerportrait berg-welt – Ausweg aus dem Dilemma

18. Dezember 2017

Genussvolle Bergreisen professionell auszurichten ist das Ziel vom Schweizer Reiseanbieter berg-welt. Das Erleben und Entdecken von faszinierenden Bergwelten, Landschaften und wunderbaren Stimmungen soll genauso bedeutend sein wie die Begegnung mit Menschen und Kulturen. Von Beginn weg nimmt berg-welt noch in einem weiteren Aspekt eine Sonderstellung ein: berg-welt ist der einzige Schweizer Reiseanbieter, der konsequent für jeden Flug eine CO2-Kompensation leistet. berg-welt Gründer Martin Fischer erklärt, warum.

berg-welt; sustainable travel; climate-friendly travel

Kathrin Dellantonio (links); Leiterin Sales, Marketing und Kommunikation bei myclimate, überreicht berg-welt Geschäftsführer Martin Fischer und berg-welt Mitarbeiterin Judith Lessing den myclimate Award 2017

Herr Fischer, warum hat sich berg-welt, entschieden, die Emissionen aller angebotenen Flugreisen zu kompensieren?

Für diese Antwort muss ich etwas ausholen: Die Entwicklung der Idee berg-welt und der Antrieb zu diesem Konzept ist aus meiner damals 25-jährigen Tätigkeit, dem Organisieren, Durchführen und Leiten von Bergsteigerreisen und Expeditionen in Südamerika, im Himalaya, im Karakorum und anderen Regionen der Welt entstanden. Aus diesen Reisen sind viele persönliche Kontakte und Freundschaften mit Einheimischen hervorgegangen. Mir wurde immer bewusster, welchen Reichtum an Erlebnissen und Entdeckungen ich aus diesen Reisen und Kontakten mitnehmen durfte, aber auch, wie wichtig für die Menschen in diesen Ländern das kleine finanzielle Einkommen aus dem Tourismus war.

Mit berg-welt wollten wir einerseits diesen Reichtum unseren Gästen zugänglich machen, andererseits für die lokale Bevölkerung als zuverlässiger Partner Arbeit generieren. Ich war vor dem Start mit berg-welt im Dilemma: Einerseits war die Umsetzung des Projekts für mich eine Herzensangelegenheit, andererseits hatte ich aus ökologischer Sicht Skrupel, Menschen zu Flugreisen zu animieren.

Ich habe mich für berg-welt entschieden, aber mit der Auflage, von Beginn weg für sämtliche Flüge die CO2-Kompensation zu leisten und diese Leistung in unserem Reisepauschalpreis einzuschliessen.

Mit dieser vollständigen Integration der Kompensation in das Reisepaket waren und sind Sie Vorreiter in der Schweiz. Wie ist die Rückmeldung von Ihren Kunden?

Unsere Kunden stehen offensichtlich hinter unserer Reisephilosophie. Spezielle Rückmeldungen bezüglich Kompensation erhalten wir wenig. Wir sind überzeugt, dass es grundsätzlich viel einfacher ist, eine solche Leistung im Gesamtpreis einzuschliessen, als die Kompensation zusätzlich zum Reisepreis einzufordern. Eigentlich sollten die Airlines in der Pflicht stehen, diesen Zuschlag im Ticketpreis zu integrieren, genauso wie sie das bei Treibstoff und Taxen heute schon tun.

Was tun Sie darüber hinaus, um Ihrem Anspruch «Verantwortung gegenüber Menschen und Kulturen in den Gastländern zu zeigen» nachzukommen?

Hauptverantwortung ist die bereits erwähnte Zuverlässigkeit gegenüber unseren lokalen Partnern und das Generieren von Arbeit für die lokale Bevölkerung. Wir unterstützen nach Möglichkeit ihre Ausbildung, Förderung und Entwicklung und achten auf eine faire Entlohnung.

Im Weiteren bereiten wir unsere Reiseteilnehmer in Vorbereitungstreffen möglichst gut mental auf die Reise vor. Dazu gehören die Sensibilisierung und der Respekt für einen schonenden Umgang mit der Natur, lokalen Traditionen, kulturellen, religiösen Werten und Gefühlen. Wir achten unterwegs auf deren Einhaltung. Wir ermöglichen und fördern unterwegs Begegnungen mit der lokalen Bevölkerung. Wir pflegen einen respektvollen und freundschaftlichen Umgang mit unseren lokalen Helfern und kommunizieren aktiv unsere Wertschätzung für ihre Leistungen.

Für uns selbstverständlich ist die gerechte Abfallentsorgung in den Gastländern. Wir achten peinlich genau darauf, dass sämtlicher Abfall unterwegs mitgenommen und entsprechend entsorgt wird. Mit unserem Wirken und der Unterstützung unserer einheimischen Mitarbeiter wollen wir auch die lokale Bevölkerung entsprechend dafür sensibilisieren.

Was ist das Besondere für Ihre Kunden, wenn diese sich dafür entscheiden, bei Ihnen eine Reise zu buchen?

Wir sind klein und dadurch sehr persönlich. Unsere Kunden spüren unsere Leidenschaft, dass wir Kundenzufriedenheit sehr ernst nehmen und ihr alles unterordnen. Sie schätzen unsere Kleingruppen von maximal zwölf Personen, die gute Betreuung durch unsere engagierten und kompetenten Reiseleiterinnen und Reiseleiter und dass wir sie – auch im entlegensten Winkel der Erde – mit feinem Essen verpflegen.

Seit 35 Jahren bereisen Sie die Welt und leiten Touren und Expeditionen in teils entlegenen Gebiete. Was war Ihr bislang persönlich eindrücklichstes Erlebnis?

Huh, schwierig, aus einem so riesigen Schatz an eindrücklichen Erlebnissen ein einzelnes hervorzuheben. Die Eindrücklichsten verbinde ich alle mit Begegnungen mit Menschen - stellvertretend vielleicht dieses: In einem mausarmen Dorf in Äthiopien haben drei Kinder mit einem zerfetzten Plastikfussball auf der Strasse gespielt. Ich habe zum Jux mitgemacht, so gut es ging. Es sind immer mehr Kinder dazugekommen, keine Ahnung von wo die überall herkamen. «Fussballspielen» wurde unmöglich. Die Kinder liessen mich aber nicht mehr gehen. Ich habe auf Englisch versucht sie zum Singen zu ermuntern – ohne Erfolg. Erst als ich drei Takte vorträllerte, haben alle nachgesungen. So habe ich mit gefühlt 50 Kindern bis zum Einnachten Lieder auf Berndeutsch (!) gesungen. Es war ein Riesenspass! Und – ich habe noch nie so glückliche Kinder gesehen!

berg-welt wurde für seine Vorreiterrolle im Klimaschutz und seine Nachhaltigkeitsmassnahmen in den Gastländern im März 2017 an der weltgrössten Reisemesse ITB in Berlin mit dem myclimate Award als "Pionier – Anbieter klimaneutraler Bergreisen“ geehrt. Das Unternehmen mit Sitz in Steffisburg wurde 2007 vom erfahrenen Bergführer und Expeditionsleiter Martin Fischer gegründet.

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