Klimaangepasster Waldwiederaufbau im Mittelgebirge Harz, Deutschland

Junges Bäumchen mit frischen Austrieben in einem verwilderten Feld vor trübem Himmel – Sinnbild nachhaltiger Waldentwicklung.

Projekttyp: Landnutzung und Wald

Projektstandort: Deutschland, Sachsen-Anhalt, Harz, Werningerode

Projektstatus: In Betrieb, Zertifikate erhältlich

Emissionsreduktionen / Senkenleistungen über 30 Jahre: 1.083 tCO2e

Im Stadtforst Wernigerode entsteht ein Wiederaufforstungsprojekt auf ehemaligen Fichtenreinbeständen, die durch Wetterextreme und anschließenden massiven Borkenkäferbefall zerstört wurden. Ziel ist der Aufbau eines stabilen, biodiversen und klimaresilienten Mischwaldes auf der 21 Hektar großen Fläche. Durch das Klimaschutzprojekt werden zusätzlich 1.083 t CO2 gespeichert. 

Der Beitrag der deutschen Wälder zum Klimaschutz durch die Aufnahme und Speicherung von CO₂ beträgt etwa 62 Millionen Tonnen pro Jahr. Sie können dadurch circa sechs Prozent aller Emissionen in Deutschland aufnehmen. Vor allem junge Bäume haben eine hohe Senkenleistung und können somit im Vergleich zu alten Bäumen besonders viel CO₂ speichern.

In ganz Deutschland müssen aufgrund schwerer Waldschäden der letzten acht Jahre durch Stürme, Waldbrand und Käferbefall 400.000 ha Fläche wieder bewaldet werden. Weitere 3 Mio. Hektar müssen dringend umgebaut werden, um dem Klimawandel begegnen zu können. Mischwälder mit höherer Biodiversität sollen die Wälder für die kommende Klimaveränderung widerstandsfähig machen.

Die Region Harz hat es mit 12.000 Hektaren Schadflächen in den Jahren 2018/2019 besonders hart getroffen. Noch immer gibt es viele kahle oder von toten Bäumen gezeichnete Waldflächen. Auch der Stadtwald Wernigerode blieb von dem massiven Waldsterben nicht verschont. Etwa 50 Prozent der 2.000 Hektar großen Waldfläche starben innerhalb kürzester Zeit ab. Die Fichtenreinbestände waren dabei der ideale Nährboden für den Borkenkäfer.  


Zukunftswald für klimatische Veränderung

Das Wiederaufforstungsprojekt im Stadtforst Wernigerode setzt dort an, wo 2018-2021 große Fichtenreinbestände durch Orkan Friederike, mehrjährige Dürre und Borkenkäferbefall zum Absterben gebracht wurden. Die damalige Krise wird nun zur Chance für einen biodiversen und klimaresilienten Mischwald. Dank des Projekts entsteht ein Mischwald aus zehn verschiedenen Nadel- und Laubholzarten wie Hainbuche, Sandbirke, Traubeneiche, Schwarzerle, Douglasie, Vogelbeere und Wildkirsche. Die ersten Baumarten wurden bereits 2022 neu gepflanzt. 

Die Naturverjüngung bringt zusätzlich einen Teil der Fichten und anderer umliegender Arten auf die Flächen zurück. Der entstehende Kulturmischwald kann sehr viel mehr Kohlenstoff speichern als eine stark risikobehaftete Monokultur mit sehr hohem Ausfallrisiko.

Auf 21 Hektaren werden durch das Klimaschutzprojekt so zusätzlich 1.083 t CO2 gespeichert. Solche «Zukunftswälder» sind resilienter gegenüber klimatischen Veränderungen, fördern die Biodiversität vor Ort und sind eine wichtige Lebensgrundlage für die zukünftigen Generationen.


Kostenintensive Maßnahmen

Der Aufbau von Dauermischwäldern ist arbeits- und kostenintensiv. Die Gelder aus den Klimaschutzzertifikaten werden für die Waldplanung und -modellierung, die Maßnahmen vor Ort insbesondere für hochwertiges Saatgut bzw. Setzlinge und die stetige Kulturpflege (Entfernung von Konkurrenzvegetation, Verbiss-Schutz) und aufwendigere Pflege und Entwicklung sowie das fortlaufende Monitoring eingesetzt. Auch das unabhängige Audit durch den TÜV Nord zur Waldentwicklung und dem Waldzustand, dass durch die Stiftung eva alle drei bis fünf Jahre bzw. später alle 10 Jahre beauftragt wird, wird durch die Zertifikate finanziert.

Diese Maßnahmen helfen dem Wald, sich schneller zu etablieren und weniger gestört zu entwickeln.  

 

Ungefähr die Hälfte des städtischen Forstvermögens wurde zerstört; Landschaften, an die man Jahrzehnte gewöhnt war, existieren nicht mehr – unter diesen Bedingungen sind wir froh über jede Unterstützung, die wir beim Wiederaufbau unseres Stadtwaldes in Wernigerode erhalten können. Global denken, lokal handeln lautet dabei die Devise, um zukunftsfähige Wälder für die nachfolgenden Generationen aufzubauen.

Michael Selmikat, Stadtwaldförster 


Partner und Monitoring für belegbaren Klimaschutz 

Das Klimaschutzprojekt im Stadtforst Wernigerode wurde durch die städtische Forstverwaltung entwickelt und wird durch diese betreut. Regelmäßige Besuche durch den zuständigen Förster gewähren eine kontinuierliche Kontrolle und Begleitung des Projektfortschritts. Das Waldwiederaufbauprojekt ist beim neuen eva-Wald-Klimastandard für Deutschland registriert und wurde durch externe Zertifizierer des TÜV Nord überprüft und zertifiziert. Zusätzlich handelt es sich beim Stadtwald Wernigerode um einen Wald mit nachhaltig betriebener Forstwirtschaft, die seit 2001 nach den PEFC-Standards zertifiziert ist.


Von Waldwiederaufbaumaßnahmen zum Klimaschutzprojekt  

Die Klimaleistung aus Waldwiederaufbauprojekten ergibt sich aus der Differenz von Referenz-, also Ursprungsszenario bzw. Standardentwicklung und Pflichtaufforstung ohne Projektmaßnahmen, und dem Projektzielszenario mit entsprechenden Maßnahmen zur Förderung der schnelleren, diverseren und dichteren Wiederbewaldung. Das bedeutet, dass nur zusätzliche CO₂-Speicherungen in Zertifikaten ausgegeben werden. Die Modellierungen wurden gemäß der Methodik für Waldwiederaufbau des eva-Wald-Klimastandards entwickelt und zertifiziert (Wald-Klimastandard: Version 1.0 (waldklimastandard.de). Für die Berechnung der Entwicklung des Holzvolumens wurde die Softwarebibliothek TreeGroSS von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt herangezogen (TreeGrOSS - NW-FVA). Die Entwicklung des Waldes wurde unter Bezugnahme zahlreicher Faktoren wie Vorbestand, Verfügbarkeit von Nährstoffen und Wasser am Standort, Konkurrenzvegetation, regionalen Wachstumsprognosen und vielen mehr bestmöglich modelliert.  

Um die prognostizierte Speicherleistung sicherzustellen, wird über einen Zeitraum von 30 Jahren das Projekt und dessen Entwicklung kontrolliert und wenn nötig nachgepflanzt bzw. die Maßnahmen, wie zum Beispiel zusätzlicher Verbiss-Schutz für Jungpflanzen oder stärkere Kulturpflege, angepasst. Für unvorhersehbare Ereignisse wie Sturm- oder Brandschäden wurden 15 Prozent der gesamten Zertifikate als unverkäufliche Zertifikate abgezogen und in einen projektübergreifenden CO₂-Puffer des Wald-Klimastandards transferiert. 

 

Dieses Projekt trägt zu 5 SDGs bei*

*Stand: Ende 2025. Erfahren Sie in unseren FAQ, wie myclimate diese SDGs ausweist.

 

Die folgenden SDGs sind vom Wald-Klimastandard zertifiziert.

SDG 13 grünes Quadrat Maßnahmen zum Klimaschutz

Der Ausstoß von schädlichen Treibhausgasen wird durch das Projekt verringert (weniger klimasensitive Arten) und es wird mehr CO₂ aus der Atmosphäre gebunden.

Diese SDGs sind von myclimate geprüft:

SDG 1 hellblau Quadrat sauberes Wasser

Durch die Aufforstung klimaresilienter Mischwälder werden wichtige Ökosystemfunktionen, wie Wasserrückhalt, -verfügbarkeit und -qualität wiederhergestellt und erhalten.  

SDG 11 oranges Quadrat nachhaltige Städte und Gemeinden

Die klimaresiliente Aufforstung von Stadtwäldern ist eine Investition in bedeutende Lebensgrundlagen für die kommenden Generationen. Sie werden in der Zukunft wichtige Holzressourcen, aber auch Erholungsraum und Klimaregulationen für die Stadt und ihre Einwohner bieten. 

SDG 12 Quadrat verantwortlicher Konsum und Produktion

Durch die PEFC-Zertifizierung des Stadtwaldes einschließlich der Projektfläche wird eine nachhaltige Holzwirtschaft gefördert. 

Die hohe Baumartenvielfalt einschließlich Arten, wie Wildkirsche und Vogelbeeren, bieten wichtige Nahrungsquellen für Vögel, Kleinsäuger und Insekten. Sie machen den Wald außerdem resilienter und fördern die allgemeine Biodiversität in der Region.

Situation ohne Projekt

Langsamerer Waldwiederaufbau mit wenig Baumartenvielfalt und geringerer Baumstammdichte.

Projekt Standard

eva logo mit schrift und logo

Projektnummer

7805

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