Warum Netto-Null mehr als Reduktion braucht

Das Ziel der Treibhausgasneutralität ist mehr als der Ausstieg aus fossilen Energien oder dass keine Emissionen mehr entstehen. Es bedeutet Netto-Null: Drastische Reduktion und für die verbleibenden Emissionen gleichwertige CO₂-Entnahmen. Neben der Reduktion braucht es einen enormen Aufbau von CO2-Entnahmemethoden. Wie hoch dieser ist, wie diese zu entwickeln sind und welche Wirkung die jeweiligen Ansätze entfalten, hat eine Studie von CDRterra untersucht.

Moorprojekte mit Paludikultur gelten als Musterbeispiel für wirksame Projekte mit Mehrfachnutzen. Foto: ZukunftMoor

 

Key Findings

  • Studie untersucht am Beispiel Deutschlands, in welchem Umfang CO₂-Entnahmemethoden dazu beitragen können, damit die deutschen Klimaziele erreicht werden
  • Ohne einen «schnellen Hochlauf» geeigneter Entnahme-Projekte, ist das Ziel kaum zu erreichen
  • Studie empfiehlt breiten Methodenmix  
  • Naturbasierte Projekte (NBS) sind besonders wertvoll
  • Technische Lösungen derzeit noch nicht ausreichern effizient und effektiv  

 

Link zur Studie

 

Selbst bei einer sehr ambitionierter Klimapolitik werden auch in Zukunft sogenannte Restemissionen verbleiben – also Treibhausgase, die sich technisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich nicht vollständig vermeiden lassen. Auch bei konsequenter Emissionsminderung bleiben diese relevanten Emissionsquellen bestehen – etwa in Industrieprozessen, im Bauwesen oder in der Landwirtschaft. In einer vierjährigen interdisziplinären Zusammenarbeit haben mehr als 100 Forschende untersucht, in welchem Umfang und mit welchen Methoden Kohlendioxid dauerhaft aus der Atmosphäre entfernt werden kann. Die nun vorliegenden Ergebnisse der ersten Projektphase der CDRterra-Studie zeigen deutlich: Die Rolle von CO₂-Senken wurde bislang unterschätzt, während die zu erwartenden Restemissionen höher ausfallen als angenommen.

 

Warum Reduktion allein nicht ausreicht

Anhand des Beispiels von Deutschland geht die CDRterra-Studie davon aus, dass im Jahr 2045 je nach Entwicklung 60 bis zu 130 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr ausgeglichen werden müssen, um das Klimaziel noch zu erreichen. Eine Treibhausgasneutralität bedeutet also nicht, dass keine Emissionen mehr entstehen, sondern dass die Emissionen soweit möglich reduziert und verbleibende Emissionen durch gleichwertige CO₂-Entnahmen ausgeglichen werden.  

Diese Größenordnung macht klar: CO₂-Entnahme ist eine zentrale Säule wirksamen Klimaschutzes und unverzichtbar.

Um dieses Ziel zu erreichen, braucht es laut Studie einen breiten Methodenmix für die CO₂-Entnahme, wie ihn auch myclimate mit den unterschiedlichen Klimaschutzprojekten verfolgt. So lassen sich Risiken streuen und ökologische sowie soziale Zielkonflikte minimieren, etwa mit Blick auf den Flächenverbrauch der Projekte.  

Geprüft wurden naturbasierte, bioenergetische und technische Ansätze:  

  • Naturbasierte Lösungen (NBS) wie Waldaufbau, Agroforstwirtschaft und Moorwiedervernässung
  • Biogene CO₂-Entnahme über Pflanzenkohle oder Bioenergie mit CO₂-Abscheidung
  • Technische Ansätze, etwa CO₂-speichernde Baustoffe oder neue Materialkreisläufe

 

Ein Portfolio-Ansatz statt einfacher Lösungen

Ein zentrales Ergebnis der Studie ist der Blick auf den Mehrfachnutzen von CO₂-Entnahmeprojekten. Viele Maßnahmen verbessern nicht nur die Klimabilanz, sondern stärken zugleich Biodiversität, Bodenfruchtbarkeit, Wasserhaushalt und die Resilienz von Landschaften. Als Beispiel für diesen Mehrfachnutzen werden Projekte wie die Paludikultur bei wiedervernässten Mooren, die Anwendung von Pflanzenkohle, biogene Baustoffe als CO2-Speicher oder die Agrokultur genannt. Allen ist gemein, dass sie in der Kombination und in sich selbst Antworten für Zielkonflikte wie den Flächenverbrauch haben. So ermöglicht die Agrokultur auch weiterhin die Nutzung von Agrarflächen bei gleichzeitiger CO2-Entnahme und weitere positiver Effekte wie Bodenqualität, Wassermanagement und Biodiversität. Die Studie zeigt jedoch ebenso klar die ökonomischen Hürden: Ohne angepasste Förderinstrumente sind solche Nutzungsformen für viele Betriebe wirtschaftlich nicht attraktiv. Dies ist ein Grund, weshalb myclimate mittlerweile das größte Agroforstförderprogramm im deutschsprachigen Raum anbietet.  

 

Technische Lösungen derzeit nur unzureichend geeignet

Neue Verfahren, die in der Öffentlichkeit teils hoch gehandelt werden, haben zwar Potenzial, jedoch sieht sie das Forscherteam derzeit noch als wenig geeignet an. Dazu gehören die beschleunigte Verwitterung von Gestein, die künstliche Photosynthese oder die CO2-Entnahme aus der Luft «Direct Air Capture» (DAC). Sie sind derzeit zu aufwendig, energieintensiv, zu teuer und zu wenig effizient. Größeren Erfolg für die Zukunft versprechen sich die Forschenden im technischen Bereich von einer Methode zur künstlichen Photosynthese. Bei dieser wird CO2 mithilfe von Solarenergie und chemischer Prozesse in flüssige oder feste Kohlenstoffprodukte umgewandelt und ist somit leicht zu speichern.  

 

Fazit: Verantwortungsvoll handeln – heute und morgen

Die Studie CDRterra macht deutlich: Ohne CO₂-Entnahme ist Klimaneutralität nicht erreichbar und netto-null nicht zu halten. Zugleich ist die CO₂-Entnahme kein Freibrief für verzögerten Klimaschutz. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Reduktion und hochwertigem Ausgleich. Um geeignete Projekte in der erforderlichen Menge rechtzeitig aufzubauen, braucht es eine finanzielle Unterstützung, Expertise und gesetzliche sowie gesellschaftliche Rahmenbedingungen, um den Wandel in der benötigten Geschwindigkeit voranzutreiben. myclimate bietet Unternehmen bereits jetzt die in der Studie genannten Lösungen von Mooren, über Aufforstung bis hin zur Pflanzenkohle an.  

Lassen Sie sich jetzt zu Reduktionsansätzen und geeigneten Klimaschutzprojekten beraten! 

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