COP30: Artikel 6 nimmt Fahrt auf und mit ihm die Verantwortung des Privatsektors

Die Klimakonferenz in Belém war vor allem eines: «eine Arbeits-COP». Die großen Entscheidungen zur Umsetzung des Paris Agreements fielen bereits an der COP29 in Baku. In Belém ging es nun darum, bestehende Mechanismen zu konkretisieren und umzusetzen. Auch myclimate war vor Ort vertreten: Zwei Wochen lang begleitete unsere Delegation die Verhandlungen und führte Gespräche mit vielen, Ländervertreter*innen, insbesondere um Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit rund um Artikel 6 auszuloten. In einer kompakten Zusammenfassung ordnen wir für Sie das Wichtigste ein.

Unsere myclimate-Delegation auf der COP30.

Unsere klare Einschätzung zur Entwicklung der marktbasierten Mechanismen: Die Grundlagen für funktionsfähige CO₂-Markt sind gelegt, jetzt kommt es auf Qualität, Umsetzung und Partnerschaften an. Unsere Eindrücke der ersten Woche waren «vielfältig», wie es ein Mitglied der myclimate-Delegation auf den Punkt brachte: Aufgrund der tiefgehenden technischen Diskussionen rund um Artikel 6 konnten wir vor allem in den Treffen, die sich mit der Verifizierung hochwertiger Klimaschutzprojekte befassten, unsere Perspektive einbringen. Denn robuste MRV-Systeme (Monitoring, Reporting, Verification) sind für die Glaubwürdigkeit von CO₂-Gutschriften von entscheidender Bedeutung.

Aber auch in Workshops zur Rolle von Carbon Markets in der Unterstützung marginalisierter Gruppen war myclimate aktiv. Der Tenor: Projekte, die an Märkten handelbare Zertifikate generieren, müssen nicht nur Emissionen reduzieren, sondern auch soziale Wirkung entfalten. Gerade im Bereich der naturbasierten Lösungen ist ein Einbezug der lokalen Bevölkerung bzw. indigener Gruppen von Anfang an entscheidend für die Wirksamkeit und Akzeptanz dieser Lösungen. Gerade, weil das globale Interesse an nature-based solutions (NBS) wächst. Hier sehen wir bei myclimate als erfahrener Projektpartner eine wichtige Rolle für uns und sind gerne bereit, Verantwortung übernehmen. 

 

Qualität entscheidet über die Zukunft des Markts 

Die COP30 hat die Rahmenbedingungen bestätigt, nun kommt es auf die praktische Umsetzung an. Für Unternehmen bedeutet das: Wer sich heute für hochwertige, Paris-kompatible Projekte entscheidet, kann seine Klimaziele wirksam erreichen und gleichzeitig zur Glaubwürdigkeit des Markts beitragen. 

Denn der wachsende Markt für CO₂-Zertifikate zieht nicht nur Unternehmen an, sondern auch Investor*innen, Regierungen und multilaterale Institutionen. Integrität ist das Gebot der Stunde. Genau deswegen sind Partner mit nachweisbarer Wirkung und regulatorischer Kompetenz sehr gefragt.

Artikel 6.2: Flexibilität braucht Standards 

Der bilaterale Mechanismus unter Artikel 6.2 gewinnt an Bedeutung – viele Länder nutzen ihn, um eigene Strategien umzusetzen. Doch mit mehr Spielraum steigt auch das Risiko: Uneinheitliche Standards und mangelnde Transparenz können Vertrauen gefährden. myclimate setzt sich deshalb für nachvollziehbare Prozesse und Qualitätssicherung (einschliesslich der entscheidenden Vermeidung von Doppelzählungen) ein. Wir begleiten Staaten und andere Akteure dabei, auch unter 6.2 glaubwürdige Klimaschutzmassnahmen umzusetzen. 

 

Artikel 6.4 & CORSIA: Marktpotenzial richtig nutzen

Mit dem offiziellen, wenngleich leicht herausgezögerten Ende des Clean Development Mechanism (CDM) rückt Artikel 6.4 ins Zentrum. Das Regelwerk steht, nun geht es darum, die Mechanismen in der Praxis nutzbar zu machen. Besonders das CORSIA-Programm im internationalen Luftverkehr steigert die Nachfrage nach formell anerkannten Carbon Credits. Viele Länder wollen in diesen Mechanismus einsteigen, doch noch fehlen oft technische Kapazitäten. In vielen Gesprächen konnte unser Team um Franziska Heidenreich und Nsikan-George Emana unsere Bereitschaft platzieren, auch hier sowohl Umsetzungsländer als auch Interessenten als Projektentwickler und Wissenspartner zu unterstützen: mit lokaler Verankerung, globalem Netzwerk und einem klaren Anspruch an Transparenz.

 

Was uns sonst noch von der COP geblieben ist 

Ein weiteres prägendes Thema war der Multilateralismus: Fast 200 Staaten waren in Belém vertreten – mit Ausnahme der USA –, um gemeinsame Lösungen zu finden. Das brasilianische Konzept des «Mutirão» war dabei allgegenwärtig: eine kollektive Haltung der Unterstützung, Offenheit und Zusammenarbeit.

Vor allem aber war es die COP der indigenen Völker. Ihre Präsenz in den Panels und bei den Veranstaltungen sowie im Stadtbild war beeindruckend, auch wenn sie in den eigentlichen Verhandlungen noch zu wenig Gehör fanden. Doch ihre Rolle als Hüter*innen der Natur wird zunehmend anerkannt. Gleichzeitig wurde Kritik am bisherigen Umgang mit ihnen laut, beispielsweise bei schlecht konzipierten REDD-Projekten oder im Rahmen von CO₂-Märkten ohne echte Beteiligung. Unsere Einschätzung: Wenn Klimafinanzierung indigene Gemeinschaften stärken soll, dann müssen diese aktiv mitgestalten. Ein Beispiel hierfür ist unser Plan Vivo-Projekt Babatana auf den Salomonen.

Denn eines ist klar: Wenn die Qualität stimmt, können CO₂-Marktmechanismen zu einem entscheidenden Hebel für echten Klimaschutz und globale Gerechtigkeit werden. 
 

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