Ernährungssicherheit und Emissionsreduktion: Nachhaltige Landwirtschaft in der Migros Gruppe

Seit mehreren Jahren arbeiten die Migros Gruppe und myclimate zusammen, um den Klimaschutz entlang der Wertschöpfungskette gezielt voranzubringen. Wir sprechen mit Claudia Regenass, Leiterin Bereich Business Services in der Direktion Nachhaltigkeit & Wirtschaftspolitik bei der Migros Gruppe, darüber, warum die Landwirtschaft innerhalb der gruppenweiten Nachhaltigkeitsstrategie eine zentrale Rolle spielt.

Claudia Regenass, Leiterin Bereich Business Services in der Direktion Nachhaltigkeit & Wirtschaftspolitik bei der Migros Gruppe. Bild: Migros


Die Nachhaltigkeitsstrategie der Migros Gruppe, inklusive ihrer wissenschaftsbasierten Klimaziele (SBTi), gilt für das gesamte, breit diversifizierte Unternehmensportfolio und adressiert Emissionen über alle Geschäftsbereiche hinweg. Als Detailhändlerin mit komplexen Lieferketten übernimmt Migros Verantwortung über den eigenen Betrieb hinaus und setzt gezielt bei den Emissionen an, die entlang der vorgelagerten Wertschöpfung entstehen.

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Rohstoffen und landwirtschaftlicher Produktion. Als emissionsintensiver Bereich und zugleich Grundlage der Lebensmittelversorgung spielt die Landwirtschaft eine zentrale Rolle innerhalb der Lieferkette. Gemeinsam mit Migros hat myclimate Projekte entwickelt, die klimaangepasste Landwirtschaft fördern, die Resilienz von Produzent*innen stärken und einen Beitrag zur Ernährungssicherheit leisten, sowohl in der Schweiz als auch in internationalen Lieferketten. Dabei geht es nicht nur um Emissionsreduktion, sondern auch um faire Bedingungen und langfristige Perspektiven für landwirtschaftliche Betriebe.

 

Environmental Social Governance ist bei Migros strategisch verankert und sehr breit aufgestellt. 
Warum haben Sie sich entschieden, innerhalb dieses großen Themenfelds gezielt bei der Lieferkette, und dort insbesondere bei Landwirtschaft und Rohstoffen, anzusetzen?

Claudia Regenass: Wie im Detailhandel üblich, entstehen die grössten THG-Emissionen bei uns entlang der Wertschöpfungskette (Scope 3), insbesondere in der Rohstoffproduktion. Deshalb übernehmen wir Verantwortung über den eigenen Betrieb hinaus und adressieren gezielt die Emissionen der eingekauften Produkte. Voraussetzung dafür ist ein gutes Verständnis unserer Lieferketten und deren gezielte Transformation.

 

Aus Unternehmenssicht: Warum ist der landwirtschaftliche Ursprung der Produkte so zentral für die langfristige Zukunft von Migros?

Für uns ist die landwirtschaftliche Produktion im In- und Ausland zentral, um unseren Kundinnen und Kunden qualitativ einwandfreie und fair produzierte Lebensmittel anbieten zu können. Als größte Abnehmerin landwirtschaftlicher Produkte in der Schweiz tragen wir eine besondere Verantwortung für die Art und Weise, wie diese Rohstoffe erzeugt werden.

 

Die Emissionen entlang der Wertschöpfungskette zu adressieren, ist komplex. Wie geht Migros grundsätzlich an solche Projekte heran – von der Analyse des Fußabdrucks bis zur Auswahl konkreter Maßnahmen? 

Unsere THG-Bilanz zeigt uns, wo die zentralen Emissions-Hotspots liegen. Darauf aufbauend wählen wir strategisch relevante Lieferketten, geeignete Partner und wirksame Maßnahmen aus. Entscheidend ist, dass die Akteure in der Landwirtschaft diese mittragen. So lancieren wir konkrete Projekte, allein oder gemeinsam mit anderen Unternehmen, unterstützt von myclimate.

 

Was waren die ausschlaggebenden Gründe, gemeinsam mit myclimate maßgeschneiderte Projekte in der Value Chain zu entwickeln, statt ausschließlich auf klassische Reduktion zu setzen?

Wir möchten Verantwortung für unsere Lieferketten übernehmen und Produzentinnen und Produzenten gezielt unterstützen. Die myclimate‑Projekte tragen direkt zu unseren SBTi‑Zielen bei. Unser Anspruch ist es, dort zu investieren, wo unsere Emissionen entstehen und wo wir gemeinsam nachhaltige Veränderungen anstoßen können.

 

Die Projekte setzen auf klimaangepasste und regenerative Landwirtschaft, Resilienz und Food Security.
Welche konkreten Vorteile sehen Sie für Migros, aber auch für die landwirtschaftlichen Betriebe vor Ort? 

Die Projekte schaffen einen doppelten Mehrwert: Sie senken Emissionen und stärken gleichzeitig die Betriebe vor Ort. Mit klimaangepassten und regenerativen Praktiken fördern wir resilientere Ernten, stabilisieren Einkommen und stärken unsere langfristige Versorgungssicherheit.

 

Inwiefern zahlen diese Projekte auch auf soziale Aspekte ein, etwa faire Bedingungen, Wissenstransfer oder langfristige Perspektiven für Produzent*innen? 

Für uns ist wichtig, dass die Projekte nicht nur ökologisch wirksam, sondern auch sozial tragfähig sind. Sie müssen von den Produzentinnen und Produzenten mitgetragen werden, Einkommen stabilisieren und die wirtschaftliche Basis stärken bspw. durch resiliente Anbaumethoden, Agroforstsysteme und gezielten Wissensaufbau.

 

Wo lagen bislang die grössten Herausforderungen strategisch, operativ oder in der Zusammenarbeit entlang der Lieferkette?

Die größte Herausforderung ist es, Lieferketten so gut zu verstehen, dass wir Maßnahmen finden, die Emissionen wirksam senken, echten Nutzen für die Produzentinnen und Produzenten bringen und gleichzeitig finanzierbar sind. Veränderungen in der Landwirtschaft sind oft mit Unsicherheit verbunden. Deshalb braucht es Zeit, Dialog und erfahrene Partner.

 

Mit Blick nach vorne: Welche Rolle wird klimaangepasste Landwirtschaft künftig in der Nachhaltigkeitsstrategie von Migros spielen?

Eine zentrale Rolle. Als Lebensmittelhändlerin sind wir direkt von einer funktionierenden Landwirtschaft abhängig. Mit unseren seit 2022 validierten wissenschaftsbasierten Klimazielen und der gruppenweiten Nachhaltigkeitsstrategie unterstützen wir die Landwirtschaft dabei, sich an den Klimawandel anzupassen und Emissionen kontinuierlich zu senken.

 

Was würden Sie anderen Unternehmen mit auf den Weg geben, die ihre Emissionen in der Wertschöpfungskette reduzieren und gleichzeitig Resilienz und Food Security stärken wollen?

Entscheidend ist, dass die Produzentinnen und Produzenten hinter unseren Maßnahmen stehen und diese für alle Beteiligten sinnvoll sind. Nur so entstehen Lösungen, die langfristig wirken, die Anpassung an den Klimawandel fördern und gleichzeitig Resilienz sowie Ernährungssicherheit stärken. 

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