EU-Klimaziel wird sich massiv auf Emissionszertifikate für Unternehmen auswirken

Der Europäische Rat hat bestätigt, dass die Emissionen bis 2040 wie geplant um 90 Prozent gesenkt werden sollen. Neu dabei ist, dass EU-Staaten ab 2036 zur Zielerreichung für bis zu fünf Prozent der Emissionen CO2-Gutschriften aus Nicht EU-Ländern verwenden dürfen. Dies wird sich massiv auf die CO2-Märkte und die Projekte auswirken. Betroffen sind Preise, Verfügbarkeit und Unternehmen, die verpflichtend oder freiwillig auf Zertifikate angewiesen sind.

Es war eine lange Verhandlungsnacht, doch am Ende haben sich die EU-Länder für das EU NDC (National Determined Contribution) 2035 und das Klimaziel 2040 geeinigt, kurz vor der Klimakonferenz COP30. Eine weitreichende Änderung gibt es bei der Art und Weise, wie das 90-Prozent-Ziel erreicht werden soll: Ab 2036 können die EU-Länder nun bis zu 5 Prozent der zu reduzierenden Emissionen durch CO2-Zertifikate aus Klimaprojekten in Nicht-EU-Ländern decken. Eine Pilotphase soll bereits 2031 starten.  

«Unabhängig davon, wie man diese Entscheidung im Spannungsfeld von Ambition in der Dekarbonisierung und der politischen Realität wertet, tut sich jetzt ein kurzes Zeitfenster auf, um sich auf diese neue Situation einzustellen. Das ist ein Handlungsimpuls für alle Marktbeteiligten, von Unternehmen, die auf Zertifikate angewiesen sind und Projekte unterstützen, bis hin zu Projektinitiatoren, die hochwertigen, integren Klimaschutz ermöglichen.», sagt Florian Goppel, Co-CEO der Stiftung myclimate.

 

Was bedeutet das für die CO2-Märkte und ihr Angebot allgemein?

Es wird u.a. auf die Zulassungskriterien für Projekte sowie deren Umsetzung und Überprüfung gemäss dem Rahmen von Artikels 6 des Pariser Vertrages ankommen. Das Ziel muss es sein, dass nur Projekte zugelassen und umgesetzt werden, die sowohl nachweislich sehr hohe Standards für die CO2-Vermeidung und Reduktion erfüllen als auch auf die SDGs einzahlen und somit den Menschen in den Gastländern des globalen Südens zugutekommen. Im Sinne der Klimagerechtigkeit würden dadurch Geldflüsse in Regionen der Welt geleitet werden, die schon heute am stärksten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind.  

«Das EU-Klimaziel wird sich massiv auch auf Unternehmen auswirken. Auf einen Schlag wird ein enormer Bedarf an entsprechenden Emissionszertifikaten entstehen. Je nach Berechnung gibt es im Moment gerade einmal 30 Prozent der benötigten CO2-Zertifikate auf dem Markt, viele davon in nicht ausreichender Qualität. Der Aufbau hochwertiger Klimaschutzprojekte braucht Zeit. Die jetzt zu erwartende Nachfrage wird zu einem krassen Anstieg der Preise führen, auch auf den freiwilligen CO2-Markt.», sagt Sven Focken-Kremer, Senior Projektleiter Public Affairs & Strategische Kommunikation bei myclimate.  

Unternehmen, die Compliance-Vorschriften einhalten müssen oder Projekte im Rahmen Ihrer Klimastrategie nutzen, werden sich damit nicht nur auf die steigenden Preise vorbereiten müssen, sondern auch auf einen intensiven Wettbewerb um passende Projekte mit den Staaten der EU.  

 

Auch von anderen Seiten wird die Nachfrage nach Qualitätsprojekten forciert

Zeitgleich hat die Science-Based Targets initiative (SBTi) als der Premiumstandard für ambitionierte unternehmerische Klimaengagements angekündigt, in ihrem kommenden Corporate Net-Zero Standard 2.0 die Finanzierung von Klimaschutzprojekten zu fördern. Dies dürfte die Nachfrage an entsprechenden Projekten weiter verschärfen.  

Was Unternehmen nun tun sollten.

  • Unterziehen Sie Ihre Kalkulation einem Stresstest
  • Passen Sie das CO2-Budget an
  • Prüfen Sie mögliche Zertifikatreservierungen 

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