Grob Gemüse AG: Mit Geothermie an die Spitze des Klimaschutzes

Vor vier Jahren hat myclimate zusammen mit dem Familienunternehmen Grob Gemüse AG ein Geothermie-Pilotprojekt gestartet. Ziel ist es, CO₂-Emissionen zu reduzieren, indem fossile Energieträger durch erneuerbare Wärme ersetzt werden. Der Betrieb beheizt seine Gewächshäuser heute über Erdwärme aus zwei Tiefenbohrungen. Schon lange vor der Zusammenarbeit mit myclimate engagierte sich die Familie Grob stark im Klimaschutz – und hat sich deshalb trotz finanzieller und bürokratischer Hürden auf dieses Experiment eingelassen.

 

Photo Credits: Sebastian Eppler/myclimate

Dank dem Förderprogramm von myclimate können aus der erneuerbaren Energie CO₂-Zertifikate generiert und verkauft werden. Diese Einnahmen helfen, die höheren Energiekosten abzufedern und weitere Investitionen in die langfristige Entwicklung der Anlage zu ermöglichen. Moritz Bandhauer, Projektleiter von myclimate hat das Projekt besucht und mit Hansjörg und Stefan Grob über die Erfahrungen, die Herausforderungen und die Zukunft der Geothermie in der Schweiz gesprochen: 

 

myclimate: Herr Grob, können Sie uns kurz erklären, wie Ihr Energiesystem funktioniert und was es mit Geothermie auf sich hat?

Stefan Grob: Wir setzen auf einen vielseitigen Energiemix: Geothermie mit Wärmepumpe, Prozessabwärme aus Kühlanlagen und einem Datenserver sind unsere Hauptquellen. Ergänzend nutzen wir derzeit noch Erdgas und Heizöl für Spitzenlasten, die wir künftig ebenfalls durch Biogas ersetzen. Damit decken wir heute schon rund 90 % unseres Energiebedarfs mit erneuerbaren oder innovativen Quellen ab.

Das Wasser, das wir über zwei Tiefenbohrungen aus 1'100 Metern Tiefe erschliessen, erreicht rund 60 Grad und bietet eine zuverlässige Wärmequelle. Dieses Zusammenspiel erfordert viel Koordination und Fachwissen – doch wir sind stolz darauf, als Familienbetrieb ein wegweisendes Energiekonzept erfolgreich umzusetzen.

 

Welche konkreten Vorteile hat die Geothermie Ihrem Betrieb gebracht?

Unser Betrieb ist heute nahezu CO₂-frei unterwegs. Auch wenn die Erschliessung von Tiefengeothermie hohe Investitionen bedeutet, überzeugt uns der nachhaltige Nutzen: Wir können unseren Kundinnen und Kunden frisches Gemüse anbieten, das mit einem klaren Mehrwert für Klima und Umwelt produziert wird. Dieses Engagement wird von Marktpartnern und Konsumentinnen sehr geschätzt – die Nachfrage nach unseren nachhaltig produzierten Produkten ist gross. 

Mit Gemüse aus unseren Produkten bekommt der Kunde fürs gleiche Geld mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Für uns steht nicht ein finanzieller Mehrwert im Vordergrund, sondern der positive Beitrag fürs Klima. Damit übernehmen wir bewusst Verantwortung innerhalb der Nahrungsmittelproduktion und gegenüber den nächsten Generationen – ganz im Sinne unserer Unternehmenswerte.

Was ist Geothermie?

Bei Geothermieprojekten wird die Wärme aus tieferen, wasserführenden Gesteinsschichten über Bohrungen mit Pumpen an die Oberfläche geholt. Schon in über 1’000 Metern Tiefe hat das Wasser rund 60 °C. Diese Energiequelle ist erneuerbar und besonders effizient, da im Erdinnern ständig Hitze entsteht und nach aussen strahlt. 

Mit welchen Herausforderungen war das Projekt verbunden?

Der Betrieb von Geothermie erfordert mehr Engagement als herkömmliche Systeme, aber genau das macht ihn zukunftsweisend. Wir haben gelernt, verschiedene Energiequellen intelligent zu kombinieren und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Besonders die Tiefenbohrungen waren Neuland in der Schweiz – hier konnten wir wertvolle Erfahrungen sammeln, die anderen Projekten zugutekommen. Solche Pionierleistungen sind nur dank gezielter Förderung möglich, und wir sehen es als Investition in eine klimafreundliche Zukunft.

 

Wie sehen Sie die Zukunft der Geothermie in der Schweiz?

Geothermie hat ein enormes Potenzial für die Energiewende. Damit es genutzt werden kann, braucht es regelmässige Bohrungen, wissenschaftliche Begleitung und den Aufbau von Fachwissen in der Schweiz. Entscheidend ist, dass Geothermie nicht nur auf Grossprojekte beschränkt bleibt, sondern auch regionalen Betrieben offensteht. Wir wünschen uns, dass die Politik diesen Weg unterstützt und so die Grundlage für viele erfolgreiche Projekte schafft.

 

Was waren für Sie die wichtigsten Erfolgsmomente?

Jeder Moment, in dem wir sehen, dass die Anlage zuverlässig Wärme liefert, ist ein Erfolg. Besonders motivierend sind die positiven Rückmeldungen aus dem Markt und die Tatsache, dass wir CO₂-Zertifikate generieren können. Rückblickend ist es eine Erfolgsgeschichte voller Durchhaltewillen, Zusammenarbeit und Innovation. Heute können wir sagen: Es funktioniert, es ist gefragt, und es zeigt den Weg in die Zukunft. Unser Appell: Jeder Betrieb sollte seine Verantwortung wahrnehmen und eigene Lösungen für eine nachhaltige Energiezukunft entwickeln. 

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