Moorschutz wirkt: Wenig Fläche, viel Klimaschutz

Moore sind stille Heldinnen des Klimaschutzes: Sie speichern enorme Mengen CO₂ auf kleiner Fläche und bieten seltenen Arten ein Zuhause. Doch jahrzehntelange Entwässerung für Landwirtschaft und Bau haben viele dieser empfindlichen Lebensräume zerstört. Ein Renaturierungsprojekt im Kanton Jura – unterstützt von Bund und Organisationen wie myclimate – bringt das Wasser zurück und lässt das Moor aufleben. Warum das so wichtig ist, erklärt Marc Mallet vom jurassischen Amt für Umwelt im Interview.

Marc Mallet vom jurassischen Amt für Umwelt / Foto Credits: Sebastian Eppler myclimate

Das Hochmoor im Naturschutzgebiet Étang de la Gruère zählt zu den bedeutendsten der Schweiz. Unter der Oberfläche lagern bis zu neun Meter Torf – ein riesiger Kohlenstoffspeicher. Doch frühere Drainagen zur Nutzung einer heute stillgelegten Mühle haben das Moor ausgetrocknet. Sauerstoff drang ein, der Torf zersetzte sich, CO₂ entwich. So sind bereits 90 Prozent der Schweizer Moore verschwunden.

In unserem gemeinsamen Projekt werden grossflächige Restaurationsarbeiten ermöglicht – Zwischen 2025 und 2028 werden 15 Hektar – fast 70 Prozent der Fläche werden in ihren natürlichen Zustand zurückgeführt. Finanziert wird das Projekt durch Bundesmittel und Partner wie myclimate. Im Rahmen eines Projektbesuchs sprach Mélanie Siegrist, Projektleiterin von naturbasierten Lösungen, mit Marc Mallet vom Amt für Umwelt des Kantons Jura über Bedeutung, Umsetzung und Wirkung des Projekts.

 

Mélanie Siegrist: Herr Mallet, warum ist das Hochmoor im Naturschutzgebiet la Gruère so bedeutend – lokal wie global? 

Marc Mallet: Moore sind extrem selten geworden. In der Schweiz sind 90 Prozent verschwunden, und nur ein Zehntel der Restflächen ist noch intakt. Feuchtgebiete beherbergen etwa die Hälfte aller bedrohten Arten. Und in la Gruère lagern bis zu neun Meter Torf – das ist eine gewaltige CO₂-Speicherung. Das Gebiet ist eines der grössten und am besten erhaltenen Hochmoore der Schweiz und Teil mehrerer nationaler und europäischer Schutzprogramme.

 

Früher wurden Moore systematisch trockengelegt. Hat sich das geändert?

Ja, seit der Rothenthurm-Initiative 1987 ist der Moorschutz in der Bundesverfassung verankert. Die Kantone sind verpflichtet, Moore zu schützen und – wenn möglich – zu renaturieren. In Landwirtschaft und Forstwirtschaft ist das heute weitgehend akzeptiert. Tempo und Umfang der Projekte hängen aber oft von den verfügbaren Ressourcen vor Ort ab. 

Moore sind extrem selten geworden. In der Schweiz sind 90 Prozent verschwunden, und nur ein Zehntel der Restflächen ist noch intakt.

Marc Mallet, Projektleiter, Amt für Umwelt, Kanton Jura

Wie reagiert die lokale Bevölkerung?

Die Gruère ist überregional bekannt, die Zustimmung in der Bevölkerung ist gross. Wir informieren regelmässig über Medienarbeit. Auch die regionale Wirtschaft profitiert – etwa durch Aufträge im Bau und in der Planung. Selbst die Holzplatten zur Bodenentlastung werden lokal hergestellt.

 

Welche Rolle spielt myclimate?

Ohne myclimate und andere Partner könnten wir das Projekt nicht stemmen. 75 Prozent der Finanzierung kommt vom Bund, der Rest vor allem von Partnern wie myclimate. Fachlich ist der Austausch sehr wertvoll.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der jurassischen Moore?

Wir werden alle national bedeutenden Flächen weiter renaturieren und schützen. Wichtig ist, dass Menschen die Wirkung ihres Handelns verstehen. Ein einfacher Schritt: keinen Torf mehr kaufen – jede Tüte stammt aus zerstörtem Moor. Und wer das Moor besucht, kann durch achtsames Verhalten direkt zum Schutz beitragen. 

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