myclimate: Was halten Sie grundsätzlich vom Workshop, den Oertli mit myclimate durchführte? Was war für Sie daran besonders?
Christoph Stüssi: Die Idee für den Nachhaltigkeitsworkshop kam nicht von mir, sondern vom Team. Es ist immer ein guter Ansatz, wenn die Initiative nicht von oben diktiert wird. Die Mitarbeitenden haben die Idee an mich herangetragen – inklusive Inhalt und Kosten – und haben mich schnell überzeugt, Zeit und Ressourcen dafür zu investieren.
Was mir im Workshop besonders gefallen hat, war, dass er nicht mit dem Zeigefinger durchgeführt wurde, sondern offen und sachlich. So hatten wir die Möglichkeit, selbst zu reflektieren und zu überlegen: Wie kann ich das umsetzen? Wie können wir das im Team umsetzen? Wie gehe ich persönlich damit um?
Wie hat der Workshop die Fach- und Führungskräfte bei Oertli für Klimaschutzmassnahmen sensibilisiert und ihren Handlungsspielraum im Unternehmen verdeutlicht?
Der Workshop hat uns gezeigt, dass auch bei einer nicht produzierenden Firma wie unserer, die Produkte einkauft und in der Schweiz an Patient*innen und Gesundheitseinrichtungen verkauft, bereits vieles im eigenen Unternehmen möglich ist und teilweise bereits umgesetzt wurde.
Das hat uns bestätigt: Wir sind auf dem richtigen Weg. Es ist nicht so, dass wir alles falsch machen, sondern wir tun schon einiges richtig – das macht auch stolz – und es gibt natürlich Bereiche, die wir noch verbessern können.
Warum war der Workshop für Oertli wichtig und welche Aspekte waren für Oertli dabei besonders relevant?
Durch die flache Hierarchie bei Oertli war es besonders wichtig, dass sich wirklich alle mit dem Thema auseinandersetzen – alle auf ihre eigene Weise, in einem relativ freien Rahmen. Trotzdem ist es ein Workshop: man hört nicht nur zu, sondern man arbeitet aktiv mit.
Für uns war es wichtig, dass sich alle auch Gedanken darüber machen, wie sie persönlich mit dem Planeten umgehen – nicht nur während des Workshops, sondern auch darüber hinaus.
Welche konkreten Massnahmen und Handlungsfelder wurden im Workshop als besonders wichtig identifiziert?
Als Distributionsfirma haben wir nur wenig – ich sage bewusst nicht keinen – Einfluss auf Produktionsabläufe oder Optimierungen hinsichtlich der Klimaproblematik. Dennoch können wir in unserem Unternehmen einiges bewegen und uns in einem nächsten Schritt darüber bewusst werden, welche Produkte besonders emissionsintensiv sind.
Viele unserer aktuellen Projekte betreffen eher typische Büro-Themen wie beispielsweise der Umgang mit Food Waste. Diese Bereiche haben wir völlig neu strukturiert – zum Beispiel mit der Firma WeRecycle. Alles, was wir brauchen, wird gesammelt und nach einer klaren Strategie recycelt, anstatt einfach weggeworfen zu werden.
Die Umsetzung von Nachhaltigkeit reicht dabei vom Verwaltungsrat bis hin zur Reinigungskraft. Die Erkenntnis ist, dass man mit relativ wenig Aufwand schon viel erreichen kann.
Welche konkreten Massnahmen, die im Workshop entwickelt wurden, sollen in Zukunft umgesetzt werden?
Wir planen eine ÖV-Challenge bei der die Transportarten überdenkt werden sollen. Interessant zu erwähnen ist, mit welcher Freude und Motivation solche Projekte vorangetrieben werden, ohne dass ein direkter «monetärer» Nutzen für unsere Mitarbeiter*innen entsteht.
Wie wollen Sie die Klimaschutzmassnahmen langfristig in die Unternehmensstrategie einbinden?
Wir hatten bereits eine Vision zur Nachhaltigkeit, die in unserem Visionsbild verankert ist. Das Visionsbild zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, sondern dass wir auch konkrete Schritte unternehmen.
Die Vision und Strategie wurden jetzt ins operative Geschäft integriert: Wir arbeiten aktiv mit Profis zusammen, um Massnahmen zu initiieren.
Die umgesetzten Massnahmen laufen bereits, aber die Bewegung soll weitergehen und kontinuierlich fortgeführt werden.
Was müsste Ihrer Meinung nach passieren, damit sich Nachhaltigkeit langfristig in der Unternehmenskultur verankert?
Unternehmen und Kultur sind zwei Dinge, die untrennbar zusammenhängen – und die Kultur muss gelebt werden, sie kann nicht einfach vorgegeben werden. Wäre das Anliegen nach mehr Nachhaltigkeit nicht von unseren Mitarbeiter*innen gekommen, hätte es nicht funktioniert.
Als Co-CEO und Teilhaber ist es dann auch meine Verantwortung, die Kultur vorzuleben, sie zu hinterfragen und zuzuhören. Wichtig ist dabei, dass Nachhaltigkeit im Visionsbild des Unternehmens verankert ist und dass wir uns unserer Verantwortung bewusst sind.
Punktuell kann und muss man Prozesse optimieren und hinterfragen. Es reicht nicht, einen Workshop zu machen und zu glauben, damit sei alles erledigt für die nächsten zehn Jahre. Weiterentwicklung ist notwendig – mitdenken ist dabei ausdrücklich erlaubt und gewollt, auch innerhalb unserer Firma.
Das Interview zeigt eindrücklich, wie wirkungsvoll Nachhaltigkeit sein kann, wenn sie aus der Mitte des Unternehmens heraus entsteht. Durch offene und praxisnahe Workshops, die nicht mit erhobenem Zeigefinger arbeiten, gelingt es myclimate, Mitarbeitende für Klimaschutzmassnahmen zu sensibilisieren und zu motivieren. Bei Oertli Ophthalmedic reichen die Projekte dabei von kleinen, alltäglichen Veränderungen im Büro bis hin zu langfristigen strategischen Massnahmen, die im Visionsbild des Unternehmens verankert sind. Entscheidend ist die Kultur: Nachhaltigkeit wird gemeinsam gestaltet und kontinuierlich weiterentwickelt – getragen von allen Mitarbeitenden.
Vielen Dank an Oertli für das Vertrauen und die gute Zusammenarbeit.
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