«Nachhaltigkeit hat keine Ziellinie, bei der man einfach aufhört.»

Bereits seit 2014 verbindet myclimate eine lebhafte Partnerschaft mit IMBACH Reisen, dem Schweizer Spezialisten für Wanderreisen. Wir sprechen mit Sandra Zimmermann, Produkt Managerin & Nachhaltigkeitsbeauftragte, über den Stellenwert von Klimaschutz im Unternehmen, die Herausforderungen und Chancen der Reisebranche sowie ihren Besuch des Klimaschutzprojekts im Hochmoor Bannwald.

Sandra Zimmermann, Produkt Managerin & Nachhaltigkeitsbeauftragte bei IMBACH Reisen; Foto: Sebastian Eppler, myclimate

Sandra, ihr arbeitet seit über zwölf Jahren mit myclimate zusammen. Was macht ihr heute konkret anders als noch zu Beginn der Partnerschaft?

Die Zusammenarbeit und auch der Austausch wurden mit der Zeit enger. Der größte Schritt war wohl die Entscheidung zum integrierten Klimaschutzbeitrag, wozu myclimate für die Twerenbold Reisen Gruppe einen eigenen Klimaschutzrechner erarbeitet hat. Durch unsere TourCert Zertifizierung im Jahr 2024 hat die Nachhaltigkeit nochmals einen höheren Stellenwert bekommen und viele Details / Prozesse wurden genauer angeschaut und entsprechend optimiert.  

 

Klimaschutz ist bei euch heute Teil jeder Reise. Was bedeutet das konkret im Alltag? Wo zeigt sich das im Produkt oder in euren Prozessen?

Für die Kund*innen gibt es einen separaten Bereich über unser Nachhaltigkeitsengagement auf unserer Webseite, in dem sie sich darüber informieren können. Bei jeder einzelnen Gruppenreise haben wir online eine Infobox mit dem Titel «Reisen, Verantwortung, Klimaschutz», in der der Fußabdruck dieser Reise notiert ist und erklärt wird, was mit dem integrierten Klimaschutzbeitrag geleistet wird. Auf der Rechnung und auch im Reiseprogramm verweisen wir nochmals auf den Link zum Nachhaltigkeitsengagement. Beim Produktdesign achten wir schon bei der Planung darauf, ob ein Car eingesetzt werden muss oder ob der öffentliche Verkehr eine Alternative ist.    

 

Ihr habt euch entschieden, den Klimaschutzbeitrag fix in eure Angebote zu integrieren. Was war dabei die größte Herausforderung und was habt ihr daraus gelernt?

Am zeitintensivsten waren die Absprachen mit myclimate, um festzulegen, welche Details braucht es für den Klimaschutzrechner und anschließend die Schulung unseres Teams. Die Nutzung des Rechners ist recht einfach und wir können den Klimaschutz für eine neue Reise ziemlich schnell berechnen. Vor der Erstellung des Rechners dachten wir noch, dass wir dann pro Wandertag alle Leistungen einzelnen in den Rechner eingeben müssen, also z.B. jede einzelne Seilbahnfahrt, jeder einzelne Bustransfer usw. Das wäre sehr aufwändig gewesen. Es hat sich dann aber zum Glück herausgestellt, dass die Tagesaktivitäten pauschal berechnet werden. Der größte Teil der Emissionen machen die An- und Rückreise und die Unterkunft aus.  

 

Neben internationalen Projekten engagiert IMBACH Reisen sich auch im Hochmoor Bannwald in Luzern. Warum ist euch dieser lokale Bezug wichtig?

Auch wenn wir das internationale Projekt in Uganda sehr wertvoll und wichtig finden, ist es gefühlt «so weit weg» und damit weniger (be)greifbar. Darum hatten wir uns bei myclimate erkundigt, ob es auch ein Projekt in unserer Nähe gibt, das wir vielleicht mal persönlich besuchen können. Wir machen jedes Jahr einen Freiwilligeneinsatz bei den Schweizer Wanderwegen und haben daraus gelernt, dass solche Prozesse (in diesem Fall die Renovation eines Wanderweges) viel inhaltlicher werden, wenn man sie persönlich erleben konnte. Das erhofften wir uns auch von einem Projekt in der Schweiz, das wir dann besuchen können. Zudem finden wir, dass auch in der Schweiz in Sachen Nachhaltigkeit ganz viel bewirkt werden kann.  

 

Ihr wart vor kurzem vor Ort im Bannwald. Was hat dieser Besuch bei euch im Team ausgelöst?

Es war sehr bereichernd, persönlich zu sehen und erklärt zu bekommen, wie die finanzielle Unterstützung vor Ort eingesetzt wird. Und wie wichtig Moore sind. Wir waren sehr beeindruckt von der Arbeit, die in diese im Vergleich relativ kleinen Fläche reingesteckt wurde, um das Moor wieder zu vernässen. Ich glaube, alle die an diesem nebelverhangenen, mystischen Nachmittag auf dem feuchten Moor im Wald standen, werden das nie mehr vergessen und in Zukunft den Wald und Moorflächen im Allgemeinen mit einem anderen, stärkeren Bewusstsein wahrnehmen.  

 

Hat dieser Projektbesuch eure Sicht auf eure eigenen Angebote oder eure Kommunikation gegenüber Kund*innen verändert? Wenn ja, wie konkret?

Wir werden von unseren Kund*innen eigentlich kaum direkt auf den Klimaschutzbeitrag angesprochen oder erhalten Fragen dazu – was meiner Meinung wohl damit zusammenhängt, dass sie uns einfach vertrauen, dass wir das Richtige tun. Aber falls wir mal darauf angesprochen werden sollten, dann können wir nun sicherer antworten. Es ist ähnlich wie bei einer Studienreise: Sobald man mal auf der Reise dabei war, kann man viel lebhafter und erfahrener Informationen darüber geben. Wir werden über diesen Projektbesuch sicher noch berichten, z.B. via Social Media, Newsletter und auf unserer Webseite.  

 

Reisen verursacht Emissionen, gleichzeitig lebt euer Geschäftsmodell davon. Wie geht ihr intern mit diesem Spannungsfeld um?

Der Tourismus ist ein sehr wichtiger Wirtschaftszweig auf der ganzen Welt und so viele Menschen leben von ihm. Wegen den Emissionen einfach nicht mehr zu reisen, erachten wir darum als den falschen Ansatz. Wir arbeiten nach dem Grundsatz, dass wir einen fairen, nachhaltigen und naturverbundenen Tourismus machen. Denn ein solcher ergibt eine hohe lokale Wertschöpfung und von dieser profitieren ganz viele Beteiligte. Zudem: Unsere Kernkompetenz Wandern an sich ist eine der klimaschonendsten Fortbewegungsarten überhaupt. Wir bringen die Menschen der Natur nahe, was wiederum das Bewusstsein für deren Schutz fördert.

 

Wie wollt ihr euer Engagement für den Klimaschutz zukünftig noch weiter ausbauen? Was sind die nächsten Schritte?

Wir bleiben auf jeden Fall dran und sind überzeugt, dass die Nachhaltigkeit in diesem Sinne keine Ziellinie hat, bei der man dann einfach aufhört. Als nächstes steht die TourCert Rezertifizierung in diesem Sommer (2026) an. Weiter wollen wir unsere Nachhaltigkeitstage für das Team durchführen (wie z.B. der myclimate Projektbesuch oder der Freiwilligeneinsatz bei den Schweizer Wanderwegen). Zudem haben wir uns auf die Fahne geschrieben, auch vermehrt über das Gute zu sprechen, das wir tun und damit hoffentlich andere zu inspirieren und zu animieren.  

Wir möchten noch weiter in die Details gehen, z.B. das Nachhaltigkeitsengagement von den Unterkünften abfragen, mit denen wir zusammenarbeiten, um dies dann auf der Webseite zu veröffentlichen. Wir prüfen jedes Jahr, ob wir Flugreisen auf den Landweg verlegen können. Zudem schauen wir mit unseren lokalen Reiseleitern, ob sie Projekte vor Ort kennen, die wir unterstützen können und die dann unsere Wandergruppen vielleicht später besuchen können, so dass auch unsere Kund*innen ein noch stärkeres Bewusstsein für den Klimaschutz bekommen.  

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