Beyond Carbon: Ein neues Pilotprojekt für Naturprämien in der Landwirtschaft

Klimaschutzprojekte werden meist in Tonnen vermiedener oder gebundener Treibhausgase gemessen. Doch gerade naturbasierte Lösungen leisten weit mehr: Sie tragen auch zur Bewältigung von Herausforderungen wie Biodiversitätsverlust und Wasserknappheit bei. Mit dem Programm BWimpact-Agroforst macht myclimate diese Wirkung eines Projekts erstmals nicht in CO₂-Äquivalenten, sondern über die gesamte ökologische Aufwertung der landwirtschaftlichen Flächen sichtbar. Einen ersten Eindruck davon vermittelte der Kick-off des Projekts am 17. Juni in Eberdingen in Baden-Württemberg.

Foto: Thomas Niedermüller

Naturbasierte Lösungen werden in erster Linie in Form vermiedener oder gebundener Emissionen beschrieben – doch viele Programme leisten weit mehr. So auch BWimpact-Agroforst, welches die Pflanzung von Bäumen mit standortspezifischen biodiversitätsfördernden Maßnahmen verbindet. Diese Umweltwirkung macht myclimate sichtbar, indem erstmals die geförderten Maßahmen eines Projekts nicht in CO₂-Äquivalenten, sondern als ökologisch aufgewertete Fläche ausgewiesen werden.

Der Mehrwert dieses Ansatzes liegt in der Verbindung mehrerer Wirkdimensionen auf derselben Fläche. Agroforstsysteme kombinieren landwirtschaftliche Produktion mit Bäumen und schaffen damit Strukturen, die langfristig Kohlenstoff in Biomasse und Wurzeln binden, das Mikroklima verbessern und Böden stabilisieren. Ergänzend entstehen über Blühflächen, Hecken, Strukturelemente oder Nisthilfen zusätzliche Lebensräume, unter anderem für Wildbienen und Bodenarthropoden. So werden Klima- und Naturschutz nicht separat gedacht, sondern im selben Nutzungssystem zusammengeführt, welches durch diese Maßnahmen besser an den Klimawandel angepasst wird.  

 

Kooperationsprogramm mit der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg und Umsetzungpartnerin SilvoCultura

BWimpact-Agroforst ist ein gemeinsames Programm von myclimate, der Klimaschutzstiftung Baden-Württemberg und der Umsetzungspartnerin SilvoCultura. Es unterstützt landwirtschaftliche Betriebe in Baden-Württemberg beim Aufbau neuer Agroforstsysteme mit Fokus auf Biodiversität und kombiniert dabei Beratung, Finanzierung, fachliche Begleitung und Monitoring. Umgesetzt wird die Pflanzung von insgesamt 1’500 einheimischen Bäumen, kostenlose Beratung zu Planung, Anlage und Pflege sowie einer naturschutzfachlichen Bewertung der Flächen und anschließend die Umsetzung zusätzlicher biodiversitätsfördernder Maßnahmen auf den teilnehmenden Flächen.

Finanziert werden die Maßnahmen über Beiträge in Form von Naturprämien. Pro gepflanztem Baum stehen den Landwirt*innen 100 Euro zur Verfügung: 50 Euro für Pflanzung, Pflege und Etablierung des Baums sowie 50 Euro für standortspezifische Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität. myclimate und die Klimaschutzstiftung verantworten Programmdesign, Qualitätssicherung, Finanzierung und Transparenz; SilvoCultura übernimmt die praktische Umsetzung – von der Betriebsberatung über die Pflanzplanung bis zum Monitoring. Ergänzend ist eine wissenschaftliche Begleitstudie vorgesehen, auf deren Grundlage ein praxisnaher Agroforst-Leitfaden für Betriebe in Baden-Württemberg entstehen wird.  

 

Unser Ziel ist es, Klimaschutz so zu gestalten, dass er langfristig wirkt. BWimpact – Agroforst zeigt, wie ökologische Aufwertung, Biodiversität und landwirtschaftliche Resilienz zusammenkommen und welchen konkreten Nutzen dieses Engagement für die nächsten und übernächsten Generationen hat.

Dr. Andreas Härer, Referent Klimaschutzstiftung

 

Kick-off in Eberdingen: Einblick in die Umsetzung

Wie dieser Ansatz in der Praxis aussieht, zeigte das Kick-off-Event am 17. Juni 2026 auf dem Hof Burger in Eberdingen im Kreis Ludwigsburg, einem Betrieb, der am Programm teilnimmt. Die Veranstaltung verband einen kurzen fachlichen Impuls mit einem Rundgang über die Fläche, auf der das Agroforstsystem und biodiversitätsfördernde Elemente vor Ort vorgestellt wurden. Der Termin war damit nicht nur Auftakt des Programms, sondern auch ein konkreter Einblick in die Frage, wie sich Klima- und Naturschutz auf landwirtschaftlichen Flächen gemeinsam umsetzen lassen.  

Gerade darin liegt die Relevanz des Programms: BWimpact – Agroforst macht sichtbar, dass die Wirkung naturbasierter Klimaschutzprojekte über die reine CO₂-Perspektive hinausgeht. Wenn zusätzlich zu Emissionsreduktionen auch weitere ökologische Aufwertungen systematisch erfasst werden, entsteht ein umfassenderes Bild dessen, was Klimaschutz in der Landschaft leisten kann. Das Programm in Baden-Württemberg setzt dafür einen konkreten Rahmen – und zeigt am Beispiel Agroforst, wie sich Klimawirkung, Biodiversität und landwirtschaftliche Klimaresilienz gemeinsam stärken lassen. 

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