Climate Talk mit Bruno Bisig

Reisen erweitert den Horizont und braucht zugleich Verantwortung. Als neuer myclimate-Stiftungsrat bringt Bruno Bisig, Geschäftsführer von Kontiki Reisen, seine langjährige Tourismuserfahrung ein und zeigt im Interview, wie Klimaschutz zum festen Bestandteil jedes Reiseprodukts werden kann.

Bruno Bisig | Foto: myclimate

Bruno, woher kommt deine Begeisterung für Reisen, Natur und Umwelt?

Meine Begeisterung entspringt der Neugier, Neues zu entdecken, andere Kulturen kennenzulernen und unterschiedliche Denkweisen zu verstehen. Schon als Kind und Jugendlicher war ich viel draußen – mit meiner Familie und später mit der Jugendgruppe. Die Natur erdet mich und vermittelt Bodenständigkeit. Sie ist unser Lebensraum, zu dem wir Sorge tragen müssen, vor allem um unserer eigenen Zukunft willen.

Gab es einen Aha-Moment, der dir die Dringlichkeit des Klimaschutzes deutlich gemacht hat?

Ein prägender Moment war für mich, als Freunde einen Gratisflug im Zusammenhang mit einem Nachhaltigkeitsthema erhielten. Dieser Widerspruch hat mir deutlich gemacht, wie schnell gute Absichten und tatsächliches Handeln auseinanderfallen können. Seitdem beschäftigt mich besonders, wie wir Klimaschutz glaubwürdig, konsequent und alltagstauglich umsetzen können.

Du bist bekennender Skandinavien-Fan. Was reizt dich am Norden besonders?

Mich faszinieren die Weite und die Ruhe des Nordens. Qualitäten, die in Mitteleuropa nur noch selten zu finden sind. Anfang der 1990er-Jahre legte ich im Winter rund 220 Kilometer auf dem Kungsleden (Fernwanderweg in schwedisch Lappland) mit Langlaufskiern zurück. Den eigenen Atem zu hören und von Stille umgeben zu sein, war für mich wie Meditation. Dieses Erlebnis hat mich nachhaltig geprägt.

Worin kannst du myclimate und unsere Arbeit für den Klimaschutz und eine Netto-Null-Gesellschaft als Stiftungsrat unterstützen?

Im Stiftungsrat möchte ich insbesondere die Stimme des Tourismus und des Marktes einbringen. Reisen verursacht Emissionen. Deshalb müssen wir diese transparent machen, konsequent reduzieren, Innovationen wie neue Treibstoffe fördern und für unvermeidbare Emissionen Verantwortung übernehmen. myclimate kann wissenschaftlich fundierte Klimaziele mit praxistauglichen Lösungen verbinden. Ich möchte dazu beitragen, dass diese im Markt aufgenommen werden und viele Unternehmen wie auch Reisende erreichen.

Wo siehst du die größten Beiträge, die der Tourismus zum Erreichen von Netto-Null liefern kann.

Der Tourismus kann einen wesentlichen Beitrag leisten, indem er Emissionen transparent ausweist und Reisen konsequent emissionsärmer gestaltet. Dazu gehören effizientere Angebote, klimafreundlichere Mobilität und Innovationen wie nachhaltige Flugtreibstoffe. Entscheidend ist, dass Klimaschutz nicht länger ein freiwilliger Zusatz bleibt, sondern zu einem festen Bestandteil jedes Reiseprodukts wird.

Gibt es irgendwelche geheimen Talente, von denen wir wissen sollten? 

Mein vielleicht wichtigstes Talent ist, Menschen, Perspektiven und Interessen miteinander zu verbinden. Gleichzeitig kann ich komplexe Fragestellungen strukturieren, verständlich machen und in konkrete nächste Schritte übersetzen. Dabei helfen mir meine Erfahrungen aus Tourismus, Führung und Nachhaltigkeit. 

 

Zum Abschluss noch ein paar Entweder-Oder-Fragen:

In die Zukunft oder Vergangenheit reisen?

In die Zukunft: Neues zu entdecken, treibt mich an. Meine Neugier auf unbekannte Orte, Menschen und Perspektiven habe ich deshalb sogar zu meinem Beruf gemacht.

Ein Tag im Dschungel oder auf dem Mond?

In den Dschungel: Die unglaubliche Vielfalt an Geräuschen, Gerüchen, Pflanzen und Tieren bildet eine faszinierende Komposition, die man mit allen Sinnen erleben kann.

Meer oder Berge?

In die Berge: Von oben öffnet sich der Blick über weite Landschaften. Diese Perspektive schafft Distanz zum Alltag und hilft mir, Zusammenhänge klarer zu sehen.

Sommer oder Winter?

Winter: Eine Nacht im selbst gebauten Iglu, eine Schneeschuhtour oder tief verschneite Bäume – für mich ist das Naturerlebnis in seiner klarsten und ursprünglichsten Form.

Camping oder Hotel?

Camping: Mit meiner Familie draußen zu sein und die Natur unmittelbar zu erleben, ist für mich großartig. Besonders unsere mehrtägige Kanutour mit Zelt bleibt unvergesslich und verbindet uns.

Morgens oder abends?

Morgens: Morgenstund hat Gold im Mund. Wie heißt es so schön: Was auf der Baustelle nicht vor dem Znüni angepackt wird, wird kaum fertig. Deshalb starte ich lieber früh und entschlossen.

Filterkaffee oder Espresso?

Espresso: Ohne weitere Zutaten ist er die konzentrierte Essenz eines höchst komplexen, von der Natur geprägten Produktes: klar, intensiv und auf das Wesentliche reduziert.

Lakritz oder Ricola?

Ricola: Hier gibt es keine tiefere Begründung und keine große Philosophie. Am Ende ist es ganz einfach eine Frage meines persönlichen Geschmacks.

Zeitung oder LinkedIn?

Zeitung: Ich mag es, mich ohne Ablenkung in einen Text zu vertiefen. Gut recherchierte Artikel mit Hintergrundwissen geben mir mehr als der schnelle Wechsel zwischen kurzen Beiträgen.



 

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