Eine Insel der Hoffnung: Eindrücke aus dem Babatana-Projektbesuch auf den Salomonen

Im Herbst letzten Jahres reiste Silvana Comino, unsere Senior Fachspezialistin für naturbasierte Projekte, auf die Salomonen im Südpazifik. Dort besuchte sie als Teil unseres kontinuierlichen Sorgfaltsprüfungsprozesses (Due Diligence) unser Projekt. Dieser Besuch bot die Gelegenheit, die Menschen – das Herz des Projekts – persönlich kennenzulernen, aber auch Partnerorganisationen und lokale Behörden zu treffen. In ihrem Bericht erzählt Silvana von der Bedeutung einer nachhaltigen, über viele Jahre gewachsenen Partnerschaft und von den Herausforderungen, mit denen die Babatana-Gemeinschaft konfrontiert ist.

Das Highlight im Leben einer Projektmanagerin ist der Besuch vor Ort. Denn erst durch echte Begegnungen und persönliche Geschichten wird sichtbar, was ein langer Prozess in der Realität bewirkt. Für mich war es Ende letzten Jahres so weit: Ich durfte das Babatana Rainforest Conservation Project auf den Salomonen besuchen. Der Inselstaat liegt östlich von Neuguinea und zählt rund 750.000 Einwohner*innen. Gemeinsam mit unseren Umsetzungspartnern Nakau und NRDF konnte ich erleben, wie das Klimaschutzprojekt wirkt und wo es noch weiter gestärkt werden muss. 

Meine Reise begann in Honiara mit Gesprächen bei den Klima – und Forstministerien der Solomon Islands sowie Sitzungen mit den technischen Fachkräften, welche die Indigenen in der Umsetzung unterstützen. Anschließend reisten wir in die Choiseul-Provinz, wo wir herzlich von den Projektgemeinden in Sirebe und Siporae empfangen wurden. In einem Rundgang erlebten wir die Wirkung vor Ort, welche die Gemeinschaft dank dem Verkauf ihrer Klimaschutzzertifikate erreicht hat: Wasserversorgungsnetze, von Frauen geführter Laden, Finanzierung für Frauensparclubs, Reparaturwerkstatt, Bootskauf für den Marktzugang, Baumaterialien, Schulgebühren, Ranger-Jobs.

Während eines Ranger-Trainings, in dem ich auch einige Einblicke in den europäischen Markt geben durfte, wurde der indigene Projektansatz klar erlebbar. Per Boot und zu Fuß erkundeten wir mit lokalen Rangers, die zuständig für das Monitoring sind, den Wald und führten viele Gespräche mit den Menschen, die dieses Projekt täglich tragen. Besonders eindrücklich war der Austausch mit der Sirebe Tribal Association: Ihre Geschichten machen deutlich, wie eng Klimaschutz, kulturelle Identität und die Zukunft der Gemeinschaften miteinander verwoben sind. 

Projektmanagementtraining für die indigenen Gemeinden
Urwaldbesuch mit Tribal Chief Linford, Rangern, Wilko Bosma (NRDF) und Robbie (Nakau)
Besuch des Schutzgebietes mit seinen Giganten
Interview mit Frauenspargruppe, welche auch einen Teil der Klimagelder erhalten
Ranger Kavi Pitamatae erklärt Silvana die Monitoring App

Warum die Klimaschutzfinanzierung eine zentrale Rolle spielt. 

Das Babatana-Projekt nutzt die Nakau-Methodik, die speziell für den pazifischen Kontext entwickelt wurde. Sie garantiert eine lokal verankerte Umsetzung, bei der Land – und Kohlenstoffrechte bei indigenen Gemeinschaften bleiben, welche selbst über die gemeinschaftliche Nutzung der Klimagelder bestimmen. 

Unsere Partnerorganisation NRDF übernimmt eine zentrale Rolle in der Umsetzung: Sie schulen Ranger, begleiten die Projektarbeit vor Ort, überwachen die Waldflächen und berichten an den internationalen Standard Plan Vivo. 

So stark wie das Projekt heute ist, ist seine Zukunft dennoch nicht selbstverständlich. Der Schutz des Waldes gelingt nur dank der freiwilligen Klimaschutzbeiträge, welche durch Verkauf von CO2-Zertifikaten mobilisiert werden. Fehlen diese Mittel, bleibt der lokalen Bevölkerung oft keine Wahl: Ohne Einkommen aus dem Waldschutz geraten sie unter Druck, ihre Loggingrechte zu verkaufen – mit dem fast unausweichlichen Ergebnis, dass gerodet und abgeholzt wird. Die langfristigen Folgen wären verheerend für die Natur, für die Gemeinschaften und letztlich für den globalen Klimaschutz. 


Perspektiven für die Zukunft 

Die Babatana-Initiative schützt nicht nur unberührten Regenwald, sondern schafft neue Perspektiven: für Bildung, Gesundheit, Frauenprojekte und Einkommen. Wie Atkin Vilaka, Chief von der Siporae Tribal Association es formuliert: 

Was wir hier schützen, gehört zu den letzten unberührten Regenwäldern im Pazifik. Damit leisten wir einen Beitrag zum globalen Klimaschutz. Das motiviert uns.


Diese Reise hat mir eindrücklich gezeigt, was für eine wichtige Rolle Einnahmen aus dem Kohlenstoffmarkt spielen, um indigene Gemeinschaften zu stärken, ihre Fähigkeiten zu fördern und ihre Entscheidung zu respektieren, den Wald zu schützen, statt kurzfristige Einnahmen aus Holzeinschlag zu erzielen. 

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