SBTi – Corporate Net-Zero Standard 2.0: Fundamentale Aufwertung von Klimaschutzprojekten

Der überarbeitete Entwurf des Corporate Net-Zero Standards 2.0 der Science-Based Targets initiative (SBTi) wurde am 6. November veröffentlicht. Dieser umfasst tiefgreifende Änderungen für Unternehmen. Erstmals rückt die SBTi darin die zusätzliche Finanzierung von Klimaschutzprojekten außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette mit in den Vordergrund. Damit setzt die SBTi auf die zunehmende Dringlichkeit im Klimaschutz und honoriert Unternehmen, welche sowohl ihre eingereichten Reduktionsziele bis 2050 konstant verfolgen als auch die Zeit bis zur Zielerreichung zusätzlich für die Förderung von kurz- und mittelfristig wirksamen Maßnahmen nutzen und damit den gesellschaftlichen Weg zu Netto-Null beschleunigen.

Twinomujuni Jane Treasurer. Foto: Jjumba Martin

In Kürze:

  • Die SBTi stellt den neuen «Corporate Net Zero Standard» vor. Dieser führt deutlich weiter als die erste Version und steht bis Anfang Dezember zur öffentlichen Konsultation
  • Die Vereinbarkeit mit dem 1,5 Grad-Ziel und die Verpflichtung, bis 2050 Netto-Null zu erreichen, stehen bei der SBTi auch in Zukunft außer Frage. Ebenso bleibt die Verwendung von Carbon Removals, um die bis maximal 2050 verbleibenden Restemissionen auszugleichen, ein wichtiger Bestandteil der Guideline.
  • Die Unterstützung von Klimaschutzprojekten außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette wird erstmals konkret gefördert. Auch wenn Klimaschutzfinanzierung weiterhin nicht direkt auf die eigenen Ziele anrechenbar ist, werden Unternehmen ausdrücklich ermutigt, schon vor dem Erreichen von Netto-Null bereits Verantwortung zu übernehmen.
  • Das neue «Ongoing Emissions Responsibility (OER) Framework» belohnt Unternehmen, die langfristige Reduktionsmaßnahmen mit kurzfristigen Projekten kombinieren und so aktiv zum gesellschaftlichen 1,5-Grad-Ziel beitragen.

 

Dass der weltweite Klimaschutz dringend eine umfassende und ambitionierte Kombination aus Reduktions- und Vermeidungsmaßnahmen auf der einen Seite und die gleichzeitige Förderung internationaler Klimaschutzprojekte auf der anderen Seite braucht, ist wissenschaftlicher Konsens. Auch die Science Based Targets initiative, kurz SBTi, als weltweit führender Qualitätsstandard für unternehmerischen Klimaschutz, hat dahingehend ihren wissenschaftlich fundierten Ansatz nun aktualisiert. Ein Ziel des neuen Corporate Net Zero Standards ist es, zusätzlich die freiwillige Klimaschutzfinanzierung zu fördern – später auch zu fordern – und auch zu belohnen, sowie eine bessere Nachvollziehbarkeit zu gewährleisten, um echte positive Auswirkungen auf das Klima zu erhalten. Dieser steht noch bis Anfang Dezember zur öffentlichen Konsultation.  

Dabei stützt sie sich auf ihren 2024 veröffentlichten Bericht Above and Beyond, der zu dem Ergebnis kam, dass Unternehmen stärkere Anreize zum Handeln benötigen. Der Report schlug als wirksamste Methoden dafür sowohl die formelle Anerkennung als auch die glaubwürdige Kommunikationsmöglichkeit vor. Dem folgt die SBTi mit ihrem neuen Vorschlag, dem schon eine umfangreiche erste öffentliche Konsultation voranging, nun. Die Vereinbarkeit mit dem 1,5 Grad-Ziel und die Verpflichtung, bis 2050 Netto-Null zu erreichen, stehen bei der SBTi auch in Zukunft außer Frage. Ebenso bleibt die Verwendung von Carbon Removals, um die bis maximal 2050 verbleibenden Restemissionen auszugleichen, ein wichtiger Bestandteil der Guideline.

 

Unternehmen, die Verantwortung übernehmen und in Projekte investieren, werden belohnt

Neu wertet die SBTi aber die Unterstützung von Klimaschutzprojekten außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette (BVCM) für den aktuellen Klimafußabdruck fundamental auf. Erstmals stellt die SBTi konkrete Instrumente zur Verfügung, die Unternehmen bereits vor Erreichung des Netto-Null-Ziels nutzen können, wenn sie heute schon Verantwortung für ihre fortwährenden Emissionen (Ongoing Emissions Responsibility) übernehmen und Klimaschutzprojekte finanzieren möchten.  

 

Zukünftig sollen Unternehmen auf zwei Wegen handeln:

  1. Zusätzliche kurzfristige Emissionsminderungen: Unterstützung von BVCM-Aktivitäten, etwa die Förderung von naturbasierten Klimaschutzprojekten (NBS)
  2. Finanzmittel für neue Klimaschutzlösungen: Finanzierung förderfähiger Maßnahmen zum Beispiel im Bereich der Minderung, Anpassung und Resilienz oder Unterstützung bei Verlusten und Schäden durch Klimafolgen.

 

Im neuen Standard soll es nun mit dem «Ongoing Emissions Responsibility (OER) Framework» ein sogenanntes Anerkennungsmodell für Klimabeiträge geben. Damit fördert die SBTi das Vorgehen von Unternehmen, die bereit sind, lang- und mittelfristige Reduktion- und Vermeidungsmaßnahmen strategisch mit kurzfristig wirksamen Senken- und Reduktionsprojekten zu koppeln, um maßgeblich zum weltweiten 1,5-Grad-Ziel beizutragen. So wird die Zeit bis zur ambitionierten Zielerreichung bestmöglich genutzt und gesamtgesellschaftlich zu Netto-Null beigetragen. Wie dieses Vorgehen in der Praxis aussehen kann, sehen Sie in der Grafik.

Der neue Corporate Net Zero Standard

Neben der Einführung des «Ongoing Emissions Responsibility Frameworks» legt der Standard im Vergleich zur ersten Version stärker den Fokus auf die Verknüpfung kurzfristiger Maßnahmen mit langfristigen Klimazielen und verlangt die Veröffentlichung von konkreten Übergangsplänen. Zudem werden die Anforderungen für die Zielsetzung je Scope differenziert und spezifischer, um den unterschiedlichen Herausforderungen und Dekarbonisierungshebeln Rechnung zu tragen. Neu ist auch, dass Unternehmen mehr Flexibilität erhalten, ihre Maßnahmen an die eigenen Rahmenbedingungen anzupassen und sich auf die wichtigsten Emissionsquellen zu konzentrieren. Schließlich setzt der Standard verstärkt auf Transparenz bei der Messung und Offenlegung der Fortschritte, um Glaubwürdigkeit und kontinuierliche Verbesserung sicherzustellen. 
 

Konsultationdokument 

 

Der Zeitplan für den neuen Corporate Net Zero Standard

Unternehmen können weiterhin bis Ende 2027 kurzfristige und auch langfristige Klimaziele im Rahmen des Corporate Net-Zero Standard 1.2 festlegen und sich validieren lassen. Sie müssen auch nicht befürchten, dass bereits erbrachte Leistungen verloren gehen. Die SBTi hält einen Übergangspfad bereit, damit die Transformation reibungslos verläuft. Ziele, die vor 2025 validiert wurden, bleiben bis 2030 oder bis zum angemeldeten Zeitrahmen gültig, abhängig davon, welches Ereignis vorher eintritt.  Von 2028 an sollen dann alle neuen kurzfristigen und langfristigen Ziele nach dem Corporate Net-Zero Standard 2.0 aufgestellt werden.

 

Was Unternehmen jetzt tun sollten

  • Analysieren Sie Ihre aktuellen Ziele und erreichten Meilensteine anhand der neuen Kriterien
  • Prüfen Sie, welche Klimaschutzprojekte in Frage kommen, um die neuen Möglichkeiten des kurz- und mittelfristigen Klimaschutzes zu nutzen
  • Passen Sie Ihre Nachhaltigkeitsstrategie an
  • Nutzen Sie den Übergangspfad der SBTi
  • Entwickeln Sie kurz-, mittel- und langfristige Ziele
     

Wie myclimate ihr Unternehmen unterstützt  

myclimate berät und begleitet Unternehmen auf ihrem Weg zu Net-Zero. Dabei unterstützen wir mit unserer Expertise auch Partner, wenn diese ein Commitment für SBTi abgeben und die entsprechenden Ziele und Reduktionspfade setzen. Die SBTi hat es in den letzten Jahren geschafft, einen glaubwürdigen, ambitionierten und attraktiven Rahmen für Unternehmen zu entwickeln, die als Vorreiter für eine ökologisch nachhaltige Wirtschaft vorangehen wollen. In der neuen Fassung des Standards werden Investments in Klimaschutzprojekte außerhalb der eigenen Lieferkette relevanter. Als Projektentwickler mit über 20-jähriger Erfahrung können wir Ihnen zur Ihrem Unternehmensumfeld und zum gesetzten SBTi-Ziel passende Klimaschutzfinanzierungen ermöglichen.

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