Renaturierung des Gelliner Bruchs in Mecklenburg-Vorpommern

Projekttyp: Landnutzung und Wald

Projektstandort: Gemeinde Ramin nahe der deutsch-polnischen Grenze

Projektstatus: In Betrieb, keine Zertifikate erhältlich

Jährliche CO₂-Reduktion: 106 t CO2e (im Durchschnitt)

Dank dieses Klimaschutzprojektes kann das Moorland Gelliner Bruch in Mecklenburg-Vorpommern renaturiert werden. Dadurch gelangen deutlich weniger Treibhausgase in die Atmosphäre. Aber nicht nur das Klima, sondern auch die Biodiversität, insbesondere die heimische Vogelwelt profitiert, da Sumpf- und Feuchtgebiete wichtige Rückzugs- und Brutgebiete für sie darstellen. 

Moore im natürlichen Zustand haben ein riesiges Speicherpotential für Kohlenstoff. Im letzten Jahrhundert wurden 95 Prozent der Moore in Deutschland für den Torfabbau, die Land- und Forstwirtschaft „urbar“ gemacht, das heisst durch Kanäle und Gräben systematisch entwässert. „Tote“ Moore, d.h. entwässerte, trocken gelegte Moorböden, stoßen große Mengen an klimaschädlichen Treibhausgasen aus, denn die gebundenen Kohlenstoffvorräte liegen offen und oxidieren großflächig und kontinuierlich in die Atmosphäre. Mit jährlich mehr als 40 Millionen Tonnen CO2 sind entwässerte Moorböden für fast 40 Prozent aller landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. Die Wiedervernässung von Mooren ist deshalb auch ein wichtiger lokaler Beitrag zum globalen Klimaschutz.

Ein unterschätzter Klimaschützer: Das Moor

Noch in den 1970er Jahren betrug die Dicke des Torfkörpers, d.h. die Torfmächtigkeit im nordöstlichen Teil des Gelliner Bruchs, bis zu sieben Meter. Moore bilden sich über Jahrtausende aus abgestorbenen Pflanzenresten, die unter Sauerstoffausschluss nicht vollständig zersetzt werden. Hierdurch kommt es zur kontinuierlichen Torfbildung – im Schnitt wächst der Torfkörper etwa 1mm pro Jahr, d.h. im Falle des Gelliner Bruchs über mehr als 7000 Jahre! Das änderte sich ab den 1970er Jahren als der Gelliner Bruch durch Pumpen und Gräben entwässert und landwirtschaftlich intensiv als Grünland genutzt wurde.

Die Wiedervernässung von Mooren ist ein unverzichtbarer Baustein zur Erreichung der Klimaziele des Pariser Abkommens. Weltweite Klimaneutralität bis 2050 heißt, dass in etwa 30 Jahren möglichst alle Moore wiedervernässt sein müssen.

Dr. Thorsten Permien, Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern

Infolge der Trockenlegung war der Torfkörper stark dezimiert und der Moorboden abgesackt. Für das Wiedervernässungsprojekt wurden Pumpen stillgelegt, Entwässerungsgräben gefüllt und alte Wasserzuläufe erneuert. Dank des Klimaschutzprojektes wird so der fortschreitende Torfabbau gestoppt, damit der Moorkörper des Gelliner Bruchs wieder ein natürlicher Kohlenstoffspeicher und keine Treibhausquelle mehr ist.

Brutgebiet und Lebensraum für viele Vogelarten

Als wasserreiche Ökosysteme spielen Moore eine wichtige Rolle als Lebens- und Schutzräume spezialisierter Pflanzen- und Tierarten. Viele, an feuchte Gebiete gebundene Vogelarten wie Reiher, Kranich, Graugänse, Schnepfen und Bekassinen sind auf intakte Moorflächen als Rast- und Brutstätten angewiesen. Hier finden sie auch genug Nahrung bevor sie in ihre Winterquartiere weiterziehen. Aber auch für den Wasserhaushalt, d.h. für den Hochwasserschutz und die Wasserreinhaltung sind Moore von unschätzbarem Wert. Ihre Torfe sind in der Lage, schnell viel Wasser aufzunehmen, z.B. bei Starkregenereignissen, und dieses über einen langen Zeitraum an die umliegende Landschaft abzugeben, z.B. in Trockenphasen. Intakte Moore sind außerdem ein wichtiger Filter für Nitrat- und Stickstoffeinträge aus der Landwirtschaft und sorgen damit für sauberes Wasser in Flüssen, Seen und Meeren.

Die Projektumsetzung

Durch den Erwerb von MoorFutures®-Zertifikaten können sich Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen an der Finanzierung der Projektumsetzung beteiligen. Insgesamt werden ca. 6,7ha des Moores geschützt und seine Torfschichten somit vor dem Verschwinden bewahrt. Die „MoorFutures®“ wurden 2012 als weltweit erstes Kohlenstoffzertifikat aus der Wiedervernässung von Mooren etabliert. Maßstab und Vorgehensweise der MoorFutures-Projekte regelt der MoorFutures-Standard. Diese Projektumsetzung und die wissenschaftliche Begleitung der Klimawirkungen beim Gelliner Bruch koordiniert das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern in Zusammenarbeit mit der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern, die die Fläche für die Projektumsetzung erworben hat.

Dieses Projekt trägt zu drei SDGs bei:

  • SDG 6: Für den Wasserhaushalt, die Wasseraufnahmekapazität und die Wasserreinhaltung hat das Moor eine wichtige Bedeutung.
  • SDG 13: Schädliche Treibhausgase werden gebunden und gelangen nicht mehr in die Atmosphäre.
  • SDG 15: Als wertvoller Lebensraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten leistet das Moor einen Beitrag zur Biodiversität.

Situation ohne Projekt

Entwässertes Moor setzt CO2-Emmissionen frei

Beitrag zu den SDGs

Projektstandard

Projektnummer

7222

Bleiben Sie informiert!