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Bäume und damit Wälder sind unverzichtbar für den Klimaschutz, da sie Kohlenstoff in beträchtlichen Mengen speichern. Die Kohlenstoffspeicherung erfolgt nicht nur in der Biomasse der Bäume selbst, sondern auch im Boden. Sie tun das dauerhaft und viel effizienter und kostengünstiger als sämtliche technischen Lösungen. Allerdings hat dieser natürliche Prozess auch seine Grenzen: Bäume brauchen Jahrzehnte, um eine signifikante Menge an Kohlenstoff zu binden, und im Falle ihres Absterbens oder bei Waldbränden kann das gespeicherte CO2 wieder freigesetzt werden.
Ihre Relevanz für den Klimaschutz wird trotz dieser Herausforderungen in vielen Internationalen Abkommen und Initiativen erwähnt: Im Artikel 5 des Pariser Abkommens sowie auch in den globalen Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) hervorgehoben. Verschiedene Gesetzesvorhaben und Initiativen tragen der Wichtigkeit von Waldökosystemen und ihren Biodiversitätsdienstleistungen Rechnung. So haben die Vereinten Nationen für 2021 bis 2030 die Dekade zur Wiederherstellung von Ökosystemen ausgerufen. An der Klimaschutzkonferenz in Glasgow im November 2021 haben 130 Staaten die Declaration on Forests and Land Use unterschrieben, die den Stopp der weltweiten Abholzung bis 2030 anstrebt. Diese war aus der Bonn Challenge und aus der New York Declaration on Forests hervorgegangen. Das Parlament der Europäischen Union hat unlängst das EU Nature Restoration Law beschlossen.
Wälder sind auch Hotspots der Biodiversität und essenziell wichtig für den Wasserkreislauf. Wenn sie als Lebensräume verloren gehen, steigt zudem die Gefahr von Pandemien (Zoonosen) für die Menschen. UNO-Generalsekretär António Guterres unterstreicht die fundamentale Bedeutung der Wälder: „Wälder fungieren auch als wichtige Kohlenstoffsenken und absorbieren jährlich etwa 2 Milliarden Tonnen Kohlendioxid. Die nachhaltige Bewirtschaftung von Wäldern ist daher entscheidend, um die Emissionslücke zu schließen und den globalen Temperaturanstieg auf 1,5°C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.“
Wälder in nördlichen Regionen könnten theoretisch einen negativen Einfluss auf das Klima haben, hauptsächlich aufgrund des Albedo-Effekts, der das Rückstrahlungsvermögen des Sonnenlichts beschreibt. Wenn unsere Alpen oder die Wälder im Norden mit weissem Schnee oder Eis bedeckt sind, ist die Rückstrahlung des Sonnenlichtes grösser, als wenn diese beispielsweise durch einen grünen Nadelmantel eines Fichtenwaldes bedeckt sind. Aus der Klimaperspektive wäre es somit besser, wenn der Norden ohne Bäume bliebe, da somit weniger Wärme gespeichert wird. Ausserdem wachsen Bäume in diesen Gebieten aufgrund der kurzen Vegetationszeit sehr langsam, binden also weniger CO2 als tropische Wälder, die fast das ganze Jahr über Photosynthese betreiben können. Der hohe Norden ist also für Aufforstungsprojekte nicht ideal. Die borealen Wälder haben ansonsten aber eine enorme Bedeutung als globaler Kohlenstoff- und Methanspeicher, da sie mehr Kohlenstoff in den Böden speichern als Regenwälder. Die genaue Auswirkung der Ausdehnung der Wälder in nördlichen Regionen auf das Klima ist noch Gegenstand von wissenschaftlichen Untersuchungen, und es besteht Unklarheit über den Nettoeffekt auf das Klima.
Die Verbrennung von fossilen Brennstoffen ist mit Abstand der grösste Treiber des Klimawandels. Nichtsdestotrotz fällt die Entwaldung sehr ins Gewicht. Hauptgründe der Waldschädigung sind die Rinderhaltung, der Sojaanbau, das Ernten von Tropenholz, Palmölplantagen, Holzplantagen zur Papierherstellung, Infrastrukturprojekte, zu denen auch Staudämme gehören und der Abbau von Rohstoffen wie Öl, Coltan oder Gold. Die Klimaerwärmung und die damit verbundene Trockenheit vervielfacht die Wirkung eigentlich «normaler» Waldbrände, was wiederum zu einer erhöhten Freisetzung von CO2 führt, und so wiederum die Auswirkungen des Klimawandels verstärkt – Waldbrände sind also Ursache und Folge zugleich.
Um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen und die Biodiversität zu schützen, brauchen wir dringend umfassende Aufforstungs- und Waldschutzmassnahmen. Der jüngste IPCC-Bericht von 2023 hat gezeigt, dass naturbasierte Lösungen wie die Verringerung der Zerstörung von Wäldern und anderen Ökosystemen, deren Wiederherstellung und die Verbesserung der Bewirtschaftung von Nutzflächen wie landwirtschaftlichen Betrieben zu den wirksamsten Strategien zur Verringerung der Treibhausgasemissionen bis 2030 gehören.
Seit dem Kyoto-Protokoll spielen Aufforstungs- und Waldschutzprojekte eine wichtige Rolle im Klimaschutz. Diese natürlichen Klimalösungen (Nature-based Solutions) zielen darauf ab, bestehende Wälder zu schützen oder (wieder-)aufzuforsten. Zum einen sollen damit CO2-Emissionen vermieden, zum anderen die Bindung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre gefördert werden. Aufforstungsprojekte sind infolge der hohen Investitionskosten (Aufforstungen, Pflege, etc.) bedeutend teurer als Wald zu schützen. Ausserdem liefert Waldschutz viel höhere Biodiversitätsdienstleistungen. myclimate unterstützt beide Ansätze, sowohl international als auch in der Schweiz, in Deutschland, Österreich und Liechtenstein.
Bei Waldschutzprojekten steht im Fokus, dass gar nicht erst CO2-Emissionen in die Atmosphäre gelangen. Die Klimawirkung solcher Projekte wird so berechnet, dass die erhaltene Biomasse mit einem Szenario einer durchschnittlichen Abholzung verglichen wird.
Bei der einen Projektkategorie geht es darum, den Druck auf die Wälder zu verringern, sei es, weil die lokale Bevölkerung signifikant weniger Holz braucht zum Kochen (effiziente Kocher) oder weil sie gar kein Feuerholz mehr braucht (Biogaskocher). Ein grosser Teil der von myclimate unterstützten und entwickelten Projekte fällt in diese Kategorie.
Eine andere Projektkategorie sind Waldschutzprojekte, die von der UNO nach dem Prinzip von REDD+ (Reducing emissions from deforestation and forest degradation) designt sind. Hier wird ein Wald aktiv geschützt und falls degradiert wieder aufgebaut. Das Prinzip dahinter ist folgendes: Die Abholzung von Wäldern generiert kurzfristig volkswirtschaftlichen Wert, zum Beispiel durch Erträge aus dem Holz, Anbauflächen oder den Bau von Siedlungen sowie alle nachfolgenden Wertschöpfungsketten. Ein ungenutzter (geschützter) Wald hat also vermeintlich einen tieferen monetären Wert. Das ist auch der Grund, warum westliche Länder in vergangenen Jahrhunderten ca. zwei Drittel der ursprünglichen Waldbestände in Siedlungen, Infrastruktur und Landwirtschaft umgewandelt haben und somit volkswirtschaftliche Einnahmen oder Wachstum generiert haben. Um also einen Anreiz zu bieten, Wälder nicht abzuholzen, hat die UNO den Mechanismus REDD+ entwickelt. Die Schweiz hat dieses Programm massgeblich mitgestaltet. Das Pariser Klimaabkommen erkennt REDD+ und die zentrale Rolle der Wälder in Artikel 5 an. Man zahlt bei REDD+-Projekten in Form von CO2-Zertifikaten also dafür, dass der Wald nicht abgeholzt wird und sich wieder erholen kann. Man entgeltet in anderen Worten den Waldbesitzenden die Opportunitätskosten, wenn sie ihren Wald nicht in eine andere Landnutzungsform umwandeln. Da diese Projektart sehr komplex ist, unterstützt myclimate ausschliesslich REDD+-Projekte, die mit dem Plan Vivo Standard ausgezeichnet sind, dem strengsten Standard für Projekte im Landuse-and-Forestry-Bereich (LUF). Das beinhaltet zum Beispiel, dass für den Waldschutz nicht nur Geld bezahlt wird, sondern die lokale Bevölkerung einen Anreiz haben muss, den Wald zu erhalten. Zum Beispiel in dem sie NTFPs (Non-timber-forest-products) entwickeln (z.b. Honig), die nur dank dem Erhalt des Waldes möglich sind. myclimate hat momentan drei REDD+-Projekte mit Plan-Vivo-Zertifizierung im Portfolio.
Bei Aufforstungsprojekten (Removals) wird CO2 aus der Atmosphäre mit Hilfe der Bäume gebunden und in dessen Biomasse und Boden gespeichert. Diese Sequestrierung von Kohlenstoff wird auch als Senkenleistung bezeichnet. Aufforstungsprojekte werden von myclimate nur unterstützt und mitentwickelt, wenn das Projektdesign so ausgerichtet ist, dass die Landbesitzenden eine finanzielle Motivation haben, ihren Wald zu erhalten. myclimate hat daher schon früh auf Projekte nach dem Plan Vivo Standard gesetzt. Diese Projektdesigns sind auf Langlebigkeit ausgerichtet, das heisst, die Landbesitzenden erhalten nicht nur finanzielle Ausgleichszahlungen, sondern erwirtschaften mit nachhaltiger Waldbewirtschaftung ein zusätzliches Einkommen. Die Anpflanzungen dürfen bei von Plan Vivo zertifizierten Projekten nie in Konkurrenz zu Ackerflächen für den Anbau von Lebensmitteln stehen.
Bei einer Aufforstung werden immer mehr Bäume gepflanzt, als im End- oder Zielbestand in fünfzig, hundert oder zweihundert Jahren in einem Wald stehen sollen. Auch in einem natürlichen Wald keimen zuerst ein zigfaches an Keimlingen als was am Schluss an Grossbäumen steht. Neben natürlichen Ausfällen oder dem Fällen von kranken Bäumen, werden in von myclimate unterstützten Projekten bewusst auch schnell wachsende Bäume gepflanzt, die nach einigen Jahren für die Holznutzung gefällt werden können. Für die Nutzung wird eine lokale Holzindustrie aufgebaut mit neuen lokalen Liefer- und Verarbeitungsketten, die den Landbesitzenden neue Einkommen generieren («added value»), beispielsweise der Verkauf von Pflanzenkohle, von Holzprodukten oder die Schaffung von Arbeitsstellen in der lokalen Sägerei. Das Aufforsten der Bäume schafft weitere feste und temporäre Arbeitsplätze, was auch der landlosen Bevölkerung zugutekommt. Es braucht Leute für die Setzlingsbetriebe, die Pflanzung und Pflege der Bäume sowie das Monitoring der Bäume für die Zertifizierung. Das Ziel eines erfolgreichen Aufforstungsprojektes muss sein, dass die Lebensqualität der lokalen Bevölkerung mit Wäldern besser ist als ohne Wälder – die Bauernfamilien also höhere Einkommen erzielen, wenn sie den gepflanzten Wald stehen lassen als wenn sie ihn in Ackerfläche umwandeln.
myclimate hat zwei Plan Vivo Aufforstungsprojekte im Portfolio, die seit vielen Jahren unterstützt und mitentwickelt werden, unter anderem auch mit Prefinance-Zahlungen, um den Projektperimeter zu vergrössern.
Weitere spannende Informationen rund um den Klimawandel und Klimaschutz in der Schweiz finden Sie in unserem Klimabooklet