Macht es den Nichtstuern schwer, nicht den Engagierten!

Unternehmen, die Geld in Klimaschutz stecken wollen, brauchen heute vor allem eines: eine starke Rechtsabteilung. Nichtstun ist einfacher, rechtssicherer und bequemer. Das ist absurd. Und klimapolitisch gefährlich. Um das Klimaziel ansatzweise zu erreichen, brauchen wir eine starke Reduktion der Emissionen und einen massiven Ausbau von Klimaschutzprojekten. Es ist an der Zeit, dass wir den Engagierten den Rücken stärken!

Sven Focken-Kremer, Senior Projektleiter Public Affairs & Strategische Kommunikation, Foto: myclimate


Ein Kommentar von Sven Focken-Kremer.

Anfang des Jahres gab es eine vielbeachtete Studie von CDRterra, an der über 100 Forschende interdisziplinär zusammengearbeitet haben. Sie lässt sich grob so zusammenfassen: Selbst mit einer traumhaften Klimapolitik, von dessen Idealzustand wir derzeit weit entfernt sind, werden auch in Zukunft Restemissionen verbleiben. Sie werden sich technisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich nicht vollständig vermeiden lassen, ganz gleich wie «technologieoffen» wir an die Sache herangehen. Leider gibt es noch eine schlechte Nachricht: Die zu erwartenden Restemissionen werden höher ausfallen als angenommen.  

Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Die Rolle von CO2-Senken wurde bislang unterschätzt. Die Senken heißen insbesondere: «Naturbasierte Lösungen». Also z.B. Waldaufbau, Agroforstwirtschaft und Moorwiedervernässung. Die in der Studie als am besten bewerteten CO2-Senken sind wirkungsvoll und erprobt. Im Vergleich zu den Kosten beim Verfehlen des Klimaziels sind sie zudem wirtschaftlich günstiger. Diese Senken brauchen laut Studie einen dramatischen Push im Aufbau, der allerdings bezahlt werden muss.
 

Klimafinanzierungslücke schließen! 

Spätestens hier hört der Konsens auf. Statt denjenigen das Leben einfacher zu machen, die etwas tun wollen, wird über das «Wie» gestritten und flankierende Rahmengesetze nicht auf den Weg gebracht.  

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz betonte 2025, dass der freiwillige Kohlenstoffmarkt eine wesentliche Rolle bei der Schließung der globalen Klimafinanzierungslücke spielen kann. Es gibt also zahlungskräftige und offensichtlich auch zahlungswillige Unterstützer*innen.  

Die gemeinnützige Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima schlussfolgert in einem aktuellen Positionspapier an die Bundesregierung, dass es endlich einen politischen Rahmen «für die Nutzung von internationalen Emissionsgutschriften braucht, der unternehmerisches Engagement innerhalb ganzheitlicher Klimaschutzstrategien mit einem Dekarbonisierungspfad anerkennt.». Derzeit fehlt es am Grundlegendsten, nämlich dem «rechtsicheren Handlungsrahmen und der politischen Anerkennung», wodurch die Nachfrage auf Engagementseite nicht durch das Angebot gedeckt werden kann.  

Oder schlicht: Die die wollen (Unternehmen) kommen gerade nicht ausreichend mit denen zusammen, die es können (Projektentwickler).  

Wie kann das Offensichtliche so schwer sein? Japan zeigt, wie es gehen kann: Der J-Credit Scheme ermöglicht unternehmerische Dekarbonisierung und eine freiwillige Beteiligung an internationalen Klimaschutzprojekten. Emissionszertifikate werden staatlich anerkannt und in nationale Instrumente integriert. 
 

Safe Harbour für Engagierte 

Die zahlreichen Unterzeichner*innen des Positionspapiers der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima, zu denen auch myclimate gehört, fordern, dass freiwilliger Klimaschutz einen rechtsicheren Handlungsrahmen und politische Anerkennung bekommt. Sogar von einem rechtlichen «Safe Harbour» für Unternehmen wird gesprochen, um Investitionen in hochwertige Zertifikate zu lenken und die private Klimafinanzierung erheblich zu beschleunigen.  

Vermutlich wären hiesige Unternehmen schon mit einem «Safe Harbour» auf niedrigerer Ebene zufrieden. Denn wenn Unternehmen derzeit Geld in den Klimaschutz lenken, kontaktieren sie als erstes die Rechtabteilung anstatt die Projektentwickler. Oft sind die Klimaschützer selbst die größten Kritiker*innen. Dabei geht es weniger um eine fundierte, und damit immanent wichtige, Kritik als vielmehr um Recht haben. Selbst qualitativ bestens bewertete Projekte werden kritisiert, weil mit einer anderen Methode noch bessere Ergebnisse erzielt werden könnten. Ein Beispiel: Ein brandenburgisches Waldprojekt wird von einer Organisation kritisiert, weil es auf menschliche Aufforstung statt auf natürliche Waldentwicklung setzt. Dabei liefern beide Wege gute Ergebnisse.  

Oder Unternehmen müssen ihre Klimaschutzfinanzierung verteidigen. Ironischerweise wird von den Klagenden nicht selten die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit der finanzierten Projekte hervorgehoben. Aber das nun ausgerechnet dieses Unternehmen das Engagement auch kommuniziert: Das muss vor Gericht. Auf der Strecke bleiben dann die Projekte und das Engagement von Unternehmen. So lässt sich privates Kapital nicht in ausreichendem Maße für den Klimaschutz mobilisieren. Der aktuellen Debatte, selbst unter Klimaschützern, fehlt es allzu häufig an Augenmaß und dem Blick fürs Wesentliche.   

Profitieren tun davon ausgerechnet diejenigen, die nichts tun. Wer kein Projekt initiiert oder finanziert, kann sich offensichtlich zurücklehnen. Das muss sich ändern. Machen wir es den Nichtstuern schwer. Oder wenigstens den Engagierten leichter. Wir müssen anfangen Anzufangen. Dem Klimawandel sind Diskussionen egal, im Gegensatz zu konkreten Projekten und Maßnahmen.  


Engagement braucht Anerkennung – auch untereinander 

Fazit: Wir kennen das Problem und die Lösung. International und national braucht es befördernde politische Leiplanken.  

Und noch einen Aufruf für den Zusammenschluss und an all diejenigen, die mit dem Ziel «Klimaschutz» eigentlich am selben Strang ziehen sollten: Auch wenn das «Wie» manchmal auseinandergeht, sollte es für qualitativ hochwertige Maßnahmen einen Konsens statt Kritik des «noch besseren Weges» geben. Die breite Unterstützung des genannten Positionspapiers ist ein Anfang.  

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