Was sind «Negativemissionen»?

Um bei Emissionen netto auf null zu kommen und die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, muss CO₂ der Atmosphäre entzogen und dauerhaft gespeichert werden. Dies wird als Kohlendioxidabscheidung (engl. Carbon Dioxide Removal, CDR) bezeichnet. Da es sich hierbei um das Gegenteil von Emissionen handelt, werden diese Verfahren oder Technologien oft als Erzielung «negativer Emissionen» oder «Senken» bezeichnet. Es besteht ein direkter Zusammenhang zwischen dem radikalen Absenken der CO2-Emissionen und der CO₂-Abscheidung: Je früher wir nahe der Null bei den realen Emissionen kommen, desto weniger CO₂-Abscheidung ist notwendig. Daher variieren die Prognosen zu der im 21. Jahrhundert erforderlichen CO₂-Abscheidung; sie reichen von 100 bis 1’000 Gt CO₂.

 

Die CDR-Verfahren lassen sich in drei Hauptgruppen unterteilen: biologische, technologische und geochemische Verfahren.

 

Beispiele für biologische CO₂-Abscheidung (als Erweiterung der natürlichen Senken):

  • Aufforstung, also grossflächige Anpflanzung von Bäumen, und nachhaltige Forstwirtschaft, die Kohlenstoff in Böden und Biomasse speichern
  • Angepasste Bodenbewirtschaftung zur Steigerung der dauerhaften Bindung von Kohlenstoff aus atmosphärischem CO₂ im Erdreich, beispielsweise durch das Einbringen von Ernterückständen, eine reduzierte Bodenbearbeitung oder auch durch die Renaturierung von Mooren
  • Pyrolyse von Biomasse zu Holzkohle (Biokohle bzw. Pflanzenkohle), die Kohlenstoff über viele Jahre im Boden – genauer gesagt: in der Kohle – bindet

 

Beispiele für technologische CO₂-Abscheidung:

  • direkte Abscheidung von CO₂ aus den Abgasen industrieller Prozesse und Speicherung an anderer Stelle, etwa unterirdisch (engl. Direct Air Capture with Carbon Storage, DACCS)
  • Nutzung von Bioenergie in Kombination mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung, was bedeutet, Biomasse in Kraftwerken zu verbrennen und das CO₂ sofort abzuscheiden und unterirdisch zu speichern (Bioenergie mit CO₂-Abscheidung und -Speicherung, engl. Bio-Energy with Carbon Capture and Storage, BECCS); dieses Verfahren kombiniert biologische und technologische CO₂-Abscheidung

 

Beispiele für geochemische CO₂-Abscheidung:

  • beschleunigtes Verwittern
  • Steigerung der Produktivität der Ozeane

Technologische und geochemische Verfahren zur Kohlendioxidabscheidung werden aktuell erprobt und in ersten Projekten umgesetzt. Allfällige negative Nebenwirkungen für die ökologische und soziale Nachhaltigkeit müssen hier ebenso wie bei den biologischen Abscheidungsprojekten berücksichtigt werden.

myclimate sieht aktuell ein hohes Potenzial und sehr gutes Kosten-​​Nutzen-Verhältnis bei den biologischen Verfahren, also bei Projekten, die auf bodenbasierten negativen Emissionen beruhen, wie Aufforstung, Bodenbewirtschaftung sowie in der Wiederherstellung von Küstenfeuchtgebieten und Mooren. Gleichzeitig begrüsst myclimate Innovation im Bereich der technischen und geochemischen Verfahren. Diese Verfahren müssen weiter vorangetrieben werden und die biologischen Senkenprojekte ergänzen, um das Ziel der Null bei den Netto-Emissionen so schnell wie möglich zu erreichen. Je später wir global auf dieses Ziel zusteuern, desto höher müssen die gesamthaften negativen Emissionen ausfallen.

 

Wie wir die globale Erwärmung unter 2°C halten können. Quelle: MCC.

Quellen:

  • IPCC 2018 Special Report 15; Mark Jacobsen (Energy and Environmental Science 2, 2009)
  • EASAC 2018. Negative emission technologies: What role in meeting Paris Agreement targets? Policy report 35.
  • IPCC 2019. Special Report on Climate Change and Land.
  • IPCC 2018. Special Report 15. Global Warming of 1.5°C.
  • Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) 2016. Vorsicht beim Wetten auf Negative Emissionen. MCC-Kurzdossier Nr. 2.
  • Stiftung Risiko-Dialog 2019. The role of atmospheric carbon dioxide removal in Swiss Climate policy.

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