Wenn ich in diesen Wochen durch Wälder gehe oder mit Landwirtinnen und Landwirten spreche, wird eines besonders deutlich: Die Folgen des Klimawandels sind längst Realität. Ausgetrocknete Böden, Bäume, die bereits im August ihre Blätter abwerfen, Waldbrände auch in unseren Regionen und zunehmende Wetterextreme zeigen, dass wir nicht nur Emissionen reduzieren müssen. Wir müssen unsere Landschaften gleichzeitig widerstandsfähiger gegen die Auswirkungen des Klimawandels machen.
Ich beschäftige mich täglich mit der Frage, wie wir Ökosysteme stärken können, damit sie auch unter veränderten klimatischen Bedingungen ihre wichtigen Funktionen erfüllen. Denn gesunde Wälder, Böden, Moore und Gewässer sind weit mehr als schöne Naturräume. Sie speichern Wasser, fördern die Biodiversität, regulieren das lokale Klima und bilden die Grundlage für eine nachhaltige Lebensmittelproduktion.
Besonders großes Potenzial sehe ich in naturbasierten Lösungen wie Agroforstsystemen. Dabei werden Bäume gezielt in landwirtschaftliche Flächen integriert. Bäume speichern Kohlenstoff aus der Atmosphäre und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Sie spenden Schatten, können die Temperaturen auf landwirtschaftlichen Flächen um 2 bis 4°C abmildern, reduzieren die Verdunstung und verbessern langfristig die Bodenqualität. Gerade in heißen und trockenen Sommern werden die Unterschiede zunehmend sichtbar, denn während ungeschützte Flächen schneller austrocknen, bleiben Bereiche in der Nähe von Baumreihen oft länger grün und produktiv. Gleichzeitig schaffen Agroforstsysteme Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. All das kann landwirtschaftliche Flächen und Betriebe widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels wie Hitzeperioden und Trockenheit machen und dazu beitragen, Ernteausfälle sowie die Risiken steigender Lebensmittelpreise und Versorgungsengpässe zu verringern.
Auch unsere Wälder spielen eine entscheidende Rolle im Klimaschutz UND bei der Anpassung an den Klimawandel. Viele Waldbestände leiden bereits unter Trockenstress, Sturmschäden oder Schädlingsbefall. Deshalb unterstützen wir Projekte, die den Aufbau vielfältiger und klimaresilienter Mischwälder fördern. Solche Wälder können sich besser an veränderte Bedingungen anpassen und leisten gleichzeitig einen wirksamen und wichtigen Beitrag zum Klima- und Naturschutz. So können die elementaren Funktionen der Wälder für unsere Gesellschaft erhalten, wiederhergestellt und gezielt gefördert werden. Dazu gehören neben der Speicherung von Kohlenstoff auch der Schutz der Artenvielfalt, die Regulierung des Wasserhaushalts und der Schutz vor Naturgefahren. Klimaangepasste Wälder können zum Beispiel besser mit knappem Wasser umgehen. Unterschiedliche Baumarten wurzeln verschieden tief und reagieren unterschiedlich auf Trockenheit. Dadurch nutzen sie die vorhandenen Wasservorräte auf unterschiedliche Weise und das Risiko sinkt, dass der gesamte Wald gleichzeitig unter Trockenstress gerät. So bleiben vielfältige, standortgerechte Wälder auch während längerer Hitze- und Trockenperioden widerstandsfähiger.
Eine oft unterschätzte, jedoch zentrale Rolle spielen zudem Moore. Über Jahrzehnte wurden sie entwässert, um sie land- oder forstwirtschaftlich zu nutzen. Dadurch gingen nicht nur wertvolle Lebensräume verloren. Auch ihre Funktion als natürlicher Kohlenstoffspeicher und Wasserspeicher wurde beeinträchtigt. Intakte Moore können große Mengen Wasser in der Landschaft halten und beeinflussen, wie schnell Niederschlagswasser weitergegeben wird. Damit tragen sie zur Regulierung des Landschaftswasserhaushalts bei und können – abhängig von Standort und Moortyp – auch Abflussspitzen abmildern. Obwohl sie weltweit nur etwa 3 % der Landfläche bedecken, enthalten sie mehr Kohlenstoff als alle Wälder der Erde zusammen. Werden Moore entwässert, wird dieser über Jahrtausende aufgebaute Kohlenstoff zersetzt und als Treibhausgas freigesetzt. Projekte, die die Wiedervernässung von Mooren fördern, helfen deshalb doppelt: Sie verhindern weitere Emissionen und stellen gleichzeitig wichtige Funktionen für Wasserhaushalt, Biodiversität und die Widerstandsfähigkeit von Ökosystemen gegenüber den Folgen des Klimawandels wieder her.
Die Auswirkungen von Hitze und Wasserknappheit betreffen jedoch nicht nur die Landwirtschaft oder die Forstwirtschaft. Sie wirken sich auf unsere gesamte Gesellschaft aus. Wenn Ernten ausfallen, steigen Lebensmittelpreise und Futtermittel werden knapp. Wenn Flüsse zu wenig Wasser führen, werden Transportwege beeinträchtigt. Häuser und ganze Dörfer müssen aufgrund von Waldbränden evakuiert werden. Immer häufigere Hitzewellen belasten die Gesundheit vieler Menschen.
Deshalb bin ich überzeugt: Naturbasierte Lösungen sind eine der wirkungsvollsten Investitionen in unsere gesellschaftliche Zukunft. Sie verbinden Klimaschutz und Klimaanpassung, stärken die Biodiversität und helfen dabei, natürliche Ressourcen langfristig zu erhalten. Gleichzeitig schaffen sie widerstandsfähigere Landschaften, von deren Funktionen wir alle nicht nur profitieren, sondern von denen auch unsere Lebensgrundlage und unser Wohlbefinden abhängt.
Die Herausforderungen sind groß. Und genauso groß sind die Chancen, wenn wir heute die richtigen Entscheidungen treffen. Jede neu gepflanzte Baumreihe in einem Agroforstsystem, jeder umgebaute Mischwald, jedes wiedervernässte Moor und jede Maßnahme zur Stärkung gesunder Böden ist ein Schritt hin zu einer widerstandsfähigeren Zukunft.