Editorial
Gereift. Und damit bereit für die Zukunft.
Liebe Leserinnen und Leser,
Mut braucht es nicht, wenn alles leicht ist. Sondern dann, wenn sich Rahmenbedingungen verändern, Gewissheiten wanken und Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden müssen. 2025 war für myclimate ein solches Jahr.
Wir sind gereift. Schlanker und fokussierter geworden.
Und wir sind bereit.
Reife heißt für uns: Verantwortung übernehmen, Klarheit schaffen und Komplexität reduzieren, ohne dabei Offenheit für unterschiedliche Perspektiven zu verlieren. In einem Umfeld, das von regulatorischen Veränderungen, wirtschaftlicher Zurückhaltung und einer spürbaren Ermüdung im öffentlichen Klimadiskurs geprägt war, haben wir Entscheidungen getroffen, die nicht bequem, aber notwendig waren. Wir haben sie umsichtig, fair und mit Blick nach vorne umgesetzt. Sie bilden heute das Fundament dafür, dass myclimate auch künftig wirksam, glaubwürdig und erfolgreich bleibt.
Geschäftszahlen
Betriebsrechnung und Bilanz
| 2025 | 2024 | |
|---|---|---|
| Ertrag | CHF | CHF |
| Spenden und Ertrag aus Klimaschutzbeiträgen * | 37’766’996 | 47’862’099 |
| Ertrag aus Dienstleistungen Beratung und Lösungen | 3’039’526 | 3’736’841 |
| Spenden und Ertrag aus Dienstleistungen Klimabildung | 1’272’525 | 1’750’919 |
| Übriger Ertrag | 2’629’801 | 2’319’218 |
| TOTAL ERTRAG | 44’708’848 | 55’669’077 |
| Aufwand | ||
| Aufwand für Klimaschutzprojekte | -30’680’773 | -35’204’684 |
| Aufwand für Beratung und Lösungen | -2’278’503 | -2’460’484 |
| Aufwand für Klimabildung | -1’376’291 | -2’177’125 |
| Übriger Aufwand für Leistungserbringung | -305’172 | -576’598 |
| Total Aufwand für Leistungserbringung | -34’640’739 | -40’418’891 |
| Total Aufwand für Vertrieb, Marketing und Administration | -9’569’926 | -11’594’688 |
| BETRIEBSERGEBNIS | 498’183 | 3’655’498 |
| Total Finanzergebnis | 1’143’293 | 2’010’182 |
| Total Übriges Ergebnis | -34’019 | 50’034 |
| ERGEBNIS VOR VERÄNDERUNG DES FONDSKAPITALS | 1’607’458 | 5’715’714 |
| Entnahmen Fonds Klimaschutzprojekte | 31’863’188 | 35’034’714 |
| Einlagen in Fonds Klimaschutzprojekte | -35’753’718 | -42’841’448 |
| TOTAL VERÄNDERUNG DES FONDSKAPITALS | -3’890’530 | -7’806’734 |
| JAHRESERGEBNIS (Vor Zuweisung an Organisationskapital) | -2’283’072 | -2’091’019 |
| Ergebnis nach Zuweisungen | 0 | 0 |
| 31.12.2025 | 31.12.2024 | |
| AKTIVEN | CHF | CHF |
| Umlaufvermögen | ||
| Flüssige Mittel | 15’715’429 | 16’912’334 |
| Forderungen aus Lieferungen und Leistungen | 26’722’491 | 18’778’947 |
| Vorräte und nicht fakturierte Dienstleistungen | 34’198’871 | 33’167’136 |
| Aktive Rechnungsabgrenzungen | 11’506’596 | 7’412’623 |
| Total Umlaufvermögen | 88’143’387 | 76’271’040 |
| Finanzanlagen | 16’534’179 | 16’147’367 |
| Sachanlagen und Immaterielle Anlagen | 2’121’665 | 2’489’735 |
| Beteiligungen | 42’000 | 42’000 |
| Total Anlagevermögen | 18’697’845 | 18’679’102 |
| TOTAL AKTIVEN | 106’841’232 | 94’950’142 |
| PASSIVEN | ||
| Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen | 7’871’452 | 4’152’909 |
| Passive Rechnungsabgrenzungen | 32’345’316 | 25’763’287 |
| Total kurzfristiges Fremdkapital | 40’216’769 | 29’916’196 |
| Total Fondskapital | 64’050’977 | 60’160’448 |
| Total Organisationskapital | 2’573’485 | 4’873’498 |
| TOTAL PASSIVEN | 106’841’232 | 94’950’142 |
* myclimate hat per 1. Januar 2023 die Rechnungslegung geändert (siehe Konzernrechnung 2024). Die Umsatzerfassung erfolgt seitdem erst dann, wenn eine Dienstleistung für den Kunden erbracht ist und die dabei verkauften Zertifikate zu diesem Zeitpunkt im Besitz der Stiftung waren.
Per 31.12.2025 wurden CHF 5,8 Million Schweizer Franken (CHF) somit als Vorauszahlungen von Kunden abgegrenzt. Ohne diese Abgrenzungen beliefe sich der Ertrag im Jahr 2025 auf CHF 43,3 Million CHF, respektive im Vorjahr auf CHF 45,8 Million CHF.
Allgemein
SDG Impact Reporting
Klimaschutz: Mehr als nur CO₂-Reduktion
Seit der Gründung im Jahr 2002 hat myclimate rund 240 Klimaschutzprojekte in insgesamt 48 Ländern der Welt mitentwickelt und unterstützt. Die Klimaschutzprojekte von myclimate vermeiden oder binden nicht nur CO₂, sie tragen auch zum Erreichen der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG, Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen bei. Diese Wirkung (Impact) messen wir und zeigen sie anhand von Kennzahlen transparent auf. So konnten bisher über 12,2 Millionen Menschen von den Maßnahmen profitieren. Mehr als 366’000 Menschen wurden in Klimaschutzprojekten geschult. Die folgenden Zahlen zeigen wichtige Impacts dieses Reportings von Anfang 2002 bis Ende 2025.
43’300
Familien von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern wenden verbesserte landwirtschaftliche Verfahren an
87’180
Biogasanlagen wurden installiert und dadurch die Gesundheit von Frauen und Kindern verbessert
3,65 Mrd.
Liter sauberes Trinkwasser wurden aufbereitet
1,66 Mio.
Solaranlagen und effiziente Kocher wurden installiert und fossile Energieträger ersetzt
12’600
permanente und temporäre Jobs wurden geschaffen
25,8 Mio.
Tonnen CO₂ wurden in myclimate-Klimaschutzprojekten vermieden
6,9 Mio.
Bäume wurden gepflanzt – damit wird Familien von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern ein Einkommen ermöglicht
CEO-Dialog
Florian Goppel und Pascal Wieser über Motivation, Führung und Zukunft
Zwei Perspektiven, eine gemeinsame Vision: Florian Goppel und Pascal Wieser führen myclimate neu als Co-CEOs. Im Interview sprechen sie über ihre Motivation, erfolgreiche Zusammenarbeit und darüber, warum Vertrauen und Humor genauso wichtig sind wie klare Ziele. Erfahren Sie, wie sie myclimate strategisch weiterentwickeln und welche Chancen und Herausforderungen sie für den freiwilligen CO₂-Markt sehen.
«Wir werden uns noch konsequenter am Weg unserer Kundinnen und Kunden zum Netto-Null-Ziel ausrichten – mit mehr Transparenz über Wirkung und Funktion unserer Lösungen und einer stärkeren Begleitung entlang der gesamten Dekarbonisierungsreise. Kundinnen und Kunden dürfen dabei mit noch mehr Dynamik und Nähe rechnen.»
Florian Goppel, Co-CEO
Erfolgsgeschichten
«myclimate ist für uns ein verlässlicher Partner, der Transparenz und Glaubwürdigkeit in der THG-Bilanzierung sowie bei Klimaschutzprojekten sicherstellt. Die professionelle Zusammenarbeit unterstützt uns dabei, unseren Bankbetrieb konsequent zu dekarbonisieren und unsere Netto-Null-Strategie wirksam umzusetzen.»
Dr. Konstantin Lübbe, LLB Group Head of Sustainability
Emissionsberechnung mit dem DFB-Klimabilanztool
1700 Amateurfußballvereine engagieren sich für den Klimaschutz
Der Klimawandel macht auch vor dem Fußball nicht halt: Hitzewellen und Extremwetter beeinflussen zunehmend Trainings- und Spielbetrieb. Als größter Breitensport in Deutschland hat der Fußball jedoch nicht nur eine besondere Betroffenheit, sondern auch eine große Verantwortung und Hebelwirkung. Gemeinsam mit myclimate hat der Deutsche Fußball-Bund deshalb ein kostenloses Klimabilanztool für Amateurfußballvereine entwickelt.
Das Tool ermöglicht es Vereinen, ihre Treibhausgasemissionen systematisch zu erfassen, zentrale Emissionsquellen zu erkennen und gezielte Klimaschutzmaßnahmen abzuleiten. So wird Klimaschutz für Tausende von Ehrenamtlichen im Vereinsalltag konkret umsetzbar und nachvollziehbar. Zahlreiche Amateurvereine nutzen bereits das Angebot, um Verantwortung zu übernehmen und Klimaschutz Schritt für Schritt im Fußball zu verankern – praxisnah, niedrigschwellig und wirkungsorientiert.
Ernährungssicherheit und Emissionsreduktion
Nachhaltige Landwirtschaft in der Migros Gruppe
Seit mehreren Jahren arbeiten die Migros Gruppe und myclimate zusammen, um den Klimaschutz entlang der Wertschöpfungskette gezielt voranzubringen. Die Nachhaltigkeitsstrategie der Migros Gruppe, inklusive ihrer wissenschaftsbasierten Klimaziele (SBTi), gilt für das gesamte, breit diversifizierte Unternehmensportfolio und adressiert Emissionen über alle Geschäftsbereiche hinweg. Als Detailhändlerin mit komplexen Lieferketten übernimmt Migros Verantwortung über den eigenen Betrieb hinaus und setzt gezielt bei den Emissionen an, die entlang der vorgelagerten Wertschöpfung entstehen. Gemeinsam mit Migros hat myclimate Projekte entwickelt, die klimaangepasste Landwirtschaft fördern, die Resilienz von Produzent*innen stärken und einen Beitrag zur Ernährungssicherheit leisten, sowohl in der Schweiz als auch in internationalen Lieferketten. Dabei geht es nicht nur um Emissionsreduktion, sondern auch um faire Bedingungen und langfristige Perspektiven für landwirtschaftliche Betriebe. Wir sprechen mit Claudia Regenass, Leiterin Bereich Business Services in der Direktion Nachhaltigkeit & Wirtschaftspolitik bei der Migros Gruppe, darüber, warum die Landwirtschaft innerhalb der gruppenweiten Nachhaltigkeitsstrategie eine zentrale Rolle spielt.
Klimaschutzprojekte
Wirkung zeigen
Mehr als 240 Klimaschutzprojekte weltweit
myclimate hat seit der Gründung im Jahr 2002 weltweit über 240 Projekte in 48 Ländern entwickelt und unterstützt. Einige davon sind bereits abgeschlossen. Die Projekte decken zentrale Technologiebereiche ab, darunter erneuerbare Energien (Solar, Wind, Wasserkraft, Biogas und Biomasse), Energieeffizienz (inkl. effiziente Kocher), Abfall- und Kreislaufwirtschaft (Abfallmanagement und Kompost), nachhaltige Landnutzung und Waldschutz (inkl. Pflanzenkohle), Wasser (Reinigung und Sparen) sowie klimafreundlicher Transport. Zudem tragen die Projekte durch ihre Co-Benefits zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) bei.
myclimate entwickelt Klimaschutzprojekte sowohl lokal als auch international und verbindet dabei lokale Wirkung mit innovativen Lösungsansätzen. So wurde 2025 erstmals ein Pflanzenkohleprojekt in Kolumbien in das Portfolio aufgenommen, das CO₂ langfristig im Boden bindet und zugleich die Lebensgrundlagen von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern verbessert. Darüber hinaus eröffnete das erste Projekt mit biogenen Baustoffen im Gebäudesektor neue Wege für die langfristige CO₂-Speicherung im DACH-Raum.
Neben Projekten für den freiwilligen Markt entwickelt myclimate auch Projekte für verpflichtende Märkte, etwa gemäß Artikel 6.2 des Pariser Klimaschutzabkommens, sowie unternehmensspezifische Projekte, beispielsweise entlang von Value Chains.
Wälder als Klimaschützer
Warum diese CO₂-Senke entscheidend ist
Der Wald spielt eine zentrale Rolle bei der Regulierung unserer CO₂-Emissionen, da er Kohlenstoff in seiner Biomasse speichert und somit als wichtige Senke fungiert. Doch durch den Klimawandel ändern sich die Umweltbedingungen: Hitze, Waldbrände, Stürme und Schädlinge drohen, Wälder von CO₂-Senken zu CO₂-Quellen zu machen. myclimate setzt daher auf naturbasierte Projekte, um die Senkenleistung der Wälder zu sichern und bestenfalls zu steigern. Mit gezielten Maßnahmen wie Waldschutz, nachhaltiger Waldbewirtschaftung und der Förderung von Naturwaldreservaten stärken wir die Widerstandsfähigkeit und Klimaresilienz bestehender Wälder – und leisten so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Unser Kommentar, warum technische Lösungen wie DAC (Direct Air Capture) die naturbasierten nicht ersetzen, sondern ergänzen sollten.
Renaturierung
Moorschutz wirkt: Wenig Fläche, viel Klimaschutz
Moore sind stille Heldinnen des Klimaschutzes: Sie speichern enorme Mengen CO₂ auf kleiner Fläche und bieten seltenen Arten ein Zuhause. Doch jahrzehntelange Entwässerung für Landwirtschaft und Bau haben viele dieser empfindlichen Lebensräume zerstört. Ein Renaturierungsprojekt im Kanton Jura – unterstützt von Bund und Organisationen wie myclimate – bringt das Wasser zurück und lässt das Moor aufleben. Warum das so wichtig ist, erklärt Marc Mallet vom jurassischen Amt für Umwelt im Interview.
Bildung
Schritt für Schritt in eine grossartige Zukunft
1750
Schülerinnen und Schüler beteiligten sich
1772
Lernende setzten sich aktiv mit Klimaschutz auseinander
283
Bildungsimpulse (Workshops, Weiterbildungen) wurden durchgeführt
320
Projekte wurden auf allen Bildungsstufen entwickelt
*Die Zahlen beziehen sich auf das Jahr 2025 und auf die Schweiz.
myclimate bei Veranstaltungen
Klimakonferenz 2025 COP30
Artikel 6 nimmt Fahrt auf und damit die Verantwortung des Privatsektors
Die Klimakonferenz in Belém war vor allem eines: eine «Arbeits-COP». Die großen Entscheidungen zur Umsetzung des Pariser Klimaschutzabkommens waren bereits an der COP 29 in Baku gefallen. In Belém ging es darum, bestehende Mechanismen zu konkretisieren und umzusetzen. Auch myclimate war vor Ort vertreten: Zwei Wochen lang begleitete unsere Delegation die Verhandlungen und führte Gespräche mit vielen Ländervertreter und Ländervertreterinnen, insbesondere um Möglichkeiten der internationalen Zusammenarbeit rund um Artikel 6 auszuloten. In einer kompakten Zusammenfassung ordnen wir für Sie das Wichtigste ein.
Climate Talk
Anmerkung zum Foto im Headerbild:
Gletscherflüsse aus der Vogelperspektive. Luftaufnahme der Flussläufe, die von isländischen Gletschern gespeist werden. Ein wunderschönes Kunstwerk der Natur, geschaffen in Island.
Adobe Stock von Marek